Kultur : Mit der Waffe des Witzes

Abba Eban, der langjährige israelische Außenminister, ist tot

Clemens Wergin

„Ich bin für die Polemik gemacht, nicht für den Konsens“ – mit diesen Worten lehnte Abba Eban es im Herbst seines Politikerlebens ab, Präsident der israelischen Knesset zu werden. Eine erstaunliche Aussage für einen, der als der fähigste Diplomat gilt, den Israel hervorgebracht hat. Und um diplomatische Formen brauchte sich Eban auch Zeit seines Lebens nicht sonderlich zu bemühen, sie waren selbstverständlicher Teil seines Wesens, Folge der Eliteausbildung, die der 1915 in Kapstadt geborene Eban auf der britischen Insel genossen hatte.

Neben den perfekten Umgangsformen war es sein scharfer Verstand, sein am englischen Humor geschulter Witz und die Gabe der Rede, die Eban zu einer Ausnahmeerscheinung machten. Er konnte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur die Amerikaner davon überzeugen, die Teilung Palästinas und die Entstehung eines jüdischen Staates zu unterstützen, er war es auch, der 1947 die entscheidende Rede vor der UN-Vollversammlung hielt, die dann der Schaffung eines jüdischen Staates zustimmte.

Eban war ein Glücksfall in vielerlei Hinsicht. Er sprach fließend Arabisch und kannte sich als Orientalist mit der arabischen Mentalität aus. Nach dem Yom-Kippur-Krieg war er es, der Israels Nachbarn in Genf einen „ehrenvollen Frieden“ anbot, wenn auch erfolglos. Den Sechstagekrieg 1967 wie auch den Yom-Kippur-Krieg 1973 erlebte Eban als Außenminister. Schicksalsträchtige Momente, in denen Eban vor der UN zu Hochform auflief. Mit seinem makellosen, präzisen Englisch argumentierte er aus der Tiefe des geschichtlichen Raumes. Wer bis dahin nicht verstanden hatte, welch reiche Zivilisation, welch von der Geschichte niedergedrücktes Volk hier für seine Wiederauferstehung stritt – Eban öffnete einem die Augen. Fast noch besser als den hohen Ton beherrschte er die Kritik, die nie barsch daherkam, sondern immer als ironischen Ätzradierung. Ein geschliffener und doch stets gelassener Stil, der auch seinen späteren Ruf als Schriftsteller begründete.

Obwohl die Israelis Eban noch lange nach seinem Abschied für den besten, den prototypischen Außenminister hielten, war er unter den hemdsärmeligen Politikern Israels doch stets eine fremdartige Erscheinung. Früh hatte er vor den moralischen Folgen einer dauerhaften Besetzung der palästinensischen Gebiete gewarnt. Eban machte sich aber auch nie Illusionen über sein Gegenüber. „The arabs never miss an opportunity to miss an opportunity“ ist eine seiner einprägsamsten Formulierungen. Sie zeigt auch, dass Eban seinerseits nie eine Gelegenheit für ein Bonmot ausließ. Er starb am Sonntag im Alter von 87 Jahren.

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