Kultur : Mit Hund und Hut

Die Galerie Argus entdeckt den schwedischen Fotografen Hans Hammarskiöld

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Mit der Tube. 1966 trug Claes Oldenburg eine Skulptur durch London. Foto: Hammarskiöld

Fotografie aus nordischen Ländern bildet einen festen Programmpunkt der Galerie Argus. Noch gut in Erinnerung sind die bizarre Welt des Isländers Ragnar Axelsson und das düstere Kopenhagen des Dänen Krass Clement, beides junge Künstler. Der Schwede Hans Hammarskiöld dagegen, Jahrgang 1925, gehört zur Generation vor ihnen. 1951 durch Otto Steinerts Sammlung „Subjektive Fotografie 1“ geehrt, nahm ihn Edward Steichen in seine Wanderausstellung „The Family of Man“ auf. Ihn nach langer Zeit in einer knapp fünfzig Arbeiten umfassenden Auswahl erstmals in Deutschland vorzustellen, verdient großes Lob.

Von seinen Wanderungen durch die Straßen von London, wo der Autodidakt im Studio der „Vogue“ arbeitete, brachte er poetische Impressionen mit. Er konnte aber auch dem Reiz stattlicher Stockholmer Fassaden beim ersten Schneefall verfallen oder sich in den Anblick einsamer Bauernhäuser vertiefen, denen er in seiner ansonsten streng monochromen Bildwelt zarte Pastellfarben zubilligte. Geduldig passte er richtige Momente auf Hundemärkten und in Parkanlagen ab, immer wieder fesselt der Anblick der Leute.

Die gediegene Welt, der er angehörte, war sein bevorzugtes Objekt. Dazu gehört unabdingbar das Könighaus: Gustav IV. im schlichten Anzug 1967 mit dem Aussehen eines vertrauenswürdigen Geschäftsmannes, die kleine Kronprinzessin Victoria, wie sie 1986 im weißen Kleid durch das Schloss turnt. Nicht viel anders passte er die eigene Enkelin ab, wie sie im Nachthemd im Garten an einer Blume schnuppert. Eine spannend komponierte Ikone bürgerschaftlicher Solidität gelang ihm mit dem Anblick Stockholmer Bürger, die sich, mit energischem Blick ihre Fahnen haltend, am 1. Mai 1952 zur Kundgebung eingefunden haben.

Den stärksten Eindruck hinterlassen die Porträtaufnahmen berühmter Kollegen, Filmregisseure und Schriftsteller: Carl Theodor Dreyer, dessen Schattenriss seinem theologischen Programm voll entspricht, während Ingmar Bergmans Charakterkopf im Profil zur Geltung kommt. Peter Weiss und Gunna Palmström geben ein harmonisches Paar. Die Amerikaner Irving Penn und Edward Steichen, die Hammarskiöld Ende der sechziger Jahre in Amerika besuchte, sind die Solitäre dieser Ausstellung. Steichen mit Hund, Zigarre und Hut: ein bartumrandetes Gesicht, dessen Blick sich mit fast neunzig noch Glanz und Schärfe bewahrt hat. Inzwischen gehört das Werk von Hans Hammarskiöld, der zur Eröffnung der Ausstellung nach Berlin gekommen war, zur Fotografiegeschichte. In ihrer stets auf die sichtbare Welt gerichteten warmherzigen Weise wirkt es wie ein Vermächtnis. Hans-Jörg Rother

Galerie Argus Fotokunst, Marienstr. 26; bis 29.5., Di–Sa 14–18 Uhr.

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