Kultur : Mit kleinen Schnitten

Insa Lüdtke

Für den amerikanischen Architekten Frederick Fisher sind die Räumlichkeiten der Aedes West Galerie in den S-Bahnbögen der stimmige Ort für seine Schau "Art Space". "Beim Entwerfen von Museumsbauten steht für mich die Sinnlichkeit der Kunsterfahrung im Mittelpunkt", sagt Fisher. So korrespondieren bei der Präsentation seines Berliner Projekts sogar die Rundungen des Ausstellungsraums mit denen der computeranimierten Visualisierungen.

In den unterirdischen Gewölben der ehemaligen Schultheiss-Brauerei in Kreuzberg hat Fisher die künftigen Räumlichkeiten für die Berlinische Galerie entworfen. Die Raumsequenzen hat er nicht auf Hochglanzpapier sondern auf hochformatige Leinwände gedruckt. So solle eine Textur ähnlich einer Kohlezeichnung und die Assoziation zu einer japanischen Schriftrolle entstehen. Der kalifornische Architekt hatte in den siebziger Jahren selbst ein paar Semester Kunst studiert. Seine ersten Bauten waren Ateliers und Galerien. "Deswegen interessieren mich besonders die unterschiedlichen Bedürfnisse von Künstlern und ihre jeweiligen Ansprüche an einen Ausstellungsraum", meint der 52-Jährige.

Fisher teilt deshalb seine Projekte in drei unterschiedliche Typologien ein. Das "Loft" soll den Prozess der Kunstherstellung unterstützen, das "House" ist traditionell der private Schauplatz für Kunst und die "Box" ist ein flexibler und neutraler Raum.

Neben dem Berliner Entwurf präsentiert das Architekturbüro Fisher & Partners aus Los Angeles in der Ausstellung auch mehrere realisierte Bauten: Aufsehen erregte Fisher 1998 mit dem P.S.1 Contemporary Art Center in New York. Ein ehemaliges Schulgebäude in Queens gestaltete er mit kleinen Eingriffen zu einem Ausstellungsbau um. "Hier habe ich zum einen versucht, die noch verborgenen Räume zu entdecken", sagt Fisher, "aber auch das Museum als Institution in Frage zu stellen." So betritt man das Gebäude von der ehemaligen Rückseite. Innen hat er zum Beispiel in einer Ecke eine Betonstütze freigelegt, so entsteht dort eine Art Nische ähnlich einem klassischen Kabinett.

Die Räumlichkeiten für die Berlinische Galerie auf 6800 Quadratmetern haben ähnliche Eigenschaften. Fishers Entwurf beschränkt sich deswegen lediglich auf Korrekturen des Backsteingewölbes aus dem 19. Jahrhundert: eine sinnvolle Wegeführung und die notwendige Ausstellungstechnik wie Beleuchtung und Klimatisierung. Die Eingangssituation hingegen hat er als eine 400 Quadratmeter große gläserne Event-Halle auf einem abgetreppten Vorplatz neu geplant. Sie soll die Berliner - den Planungen nach ab 2004 - ohne Schwellenangst und ebenerdig in die Sammlung für Moderne Kunst ab 1870 locken. Allerdings ist dieses Kunsterlebnis in vielleicht noch weitere Zukunft gerückt. Schon seit sechs Wochen ruhen die Bauarbeiten am Kreuzberg. Die Viktoria Quartier Entwicklungsgesellschaft hat zum 1. Oktober Insolvenz angemeldet; die Beteiligten hoffen zur Zeit auf neue Investoren. Die bereits freigelegten Gewölbedecken des Baudenkmals sind seither schutzlos der Frostgefahr ausgesetzt.

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