Kultur : Mit Krieg leben

SPECIAL Neil Young und sein Film „CSNY Déjà Vu“

H.P. Daniels

„Déjà Vu“ war der Titel des herausragenden ersten Albums von Crosby, Stills, Nash & Young. 1970, lange her. Es waren die Zeiten heftiger Proteste gegen den Vietnamkrieg, zu deren Soundtrack CSNY damals etliche Songs beigetragen haben. „CSNY Déjà Vu“ heißt jetzt der Film, den Neil Young unter dem Pseudonym Bernard Shakey produziert hat. Er dokumentiert das Wiedersehen mit seinen alten musikalischen Weggefährten David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash im Jahr 2006 und eine Konzertreise durch die USA. Wieder ist es eine große gemeinsame Sache, die die vier ausgeprägt eigenwilligen Persönlichkeiten zusammenbringt: die gemeinsame Sache gegen den Krieg im Irak, eine „Freedom Of Speech/Living With War“-Tour, eine Tour de Force gegen die Politik des Präsidenten George W. Bush. Mit vier sägenden elektrischen Gitarren, folkigen Akustikgitarren und dem legendären vierstimmigen Harmoniegesang.

Es waren die schockierenden Bilder schwer verwundeter junger Männer in einem Fernsehbericht über Lazarettflugzeuge der US Airforce, die Neil Young derart aufgebracht hatten gegen den Wahnsinn des Irakkrieges, dass er sofort ein ganzes Album mit neuen Songs gegen den Krieg aufnahm: „Living With War“. Damit habe er genau das ausgedrückt, was sie auch fühlten, sagten die Kollegen aus Déjà-Vu-Zeiten, und sie beschlossen, ihren Protest noch einmal gemeinsam musikalisch zu artikulieren. Trotz etlicher Rückblenden in die alten Hippie-Zeiten der 60er, SplitScreen-Parallelen zu den Protestbewegungen von damals, wird hier keine lahme Altherren-Nostalgie-Oldie-Tour geboten, sondern vier mehr oder weniger dicke, mehr oder weniger weißhaarige Musiker voll frischer Energie und Leidenschaft in Höchstform.

Der Film erzählt nicht nur die Geschichte einer Band, sondern auch die ihrer Fans und deren höchst unterschiedliche Reaktionen auf die Antikriegs-Haltung der Musiker. Als die Band in Atlanta im Neil-Young-Song „Let's Impeach The President“ dazu auffordert, den Präsidenten wegen seiner Lügen abzusetzen, verlässt ein Teil der Zuschauer den Saal, während der Rest hingebungsvoll mitsingt: „No more war!“ Aber auch Geschichten ehemaliger US-Soldaten im Irakeinsatz und physisch wie psychisch zerstörter Vietnamveteranen werden erzählt, sowie die einer Mutter, die ihren Sohn im Irak verloren hat. H.P. Daniels

Heute 21.30 Uhr (Filmpalast), 9.2., 18 Uhr (Cubix)

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