Kultur : „Mit Mik konnte ich mitfühlen“

GENERATION Kplus Sieba Abadi und Oskar Ontrop (beide elf) finden: Wenn in einem Film viel Aufregendes passiert, kann man sich besser konzentrieren.

Da liegen sie: Mik (zweiter von links) und seine neuen Freunde.
Da liegen sie: Mik (zweiter von links) und seine neuen Freunde.

Der Schweizer Dokumentarfilm „Die Kinder vom Napf“ begleitet den Alltag einiger Schweizer Bauernkinder. „Der Eisdrache“ aus Schweden rockt – er erzählt von Mik, der ein neues Zuhause kriegt, das er anfangs gar nicht haben will. Sieba und Oskar tauschen ihre Eindrücke aus:

Sieba: Ich fand „Der Eisdrache“ toll. Der hat mir auf jeden Fall besser gefallen als „Die Kinder vom Napf“.

Oskar: „Der Eisdrache“ hat richtig Spaß gemacht – auch, weil so viel passiert ist. Man war sofort im Film drin. Bei „Die Kinder vom Napf“ habe ich länger gebraucht, bis ich wusste, worum es geht.

Sieba: Mir war gar nicht so klar, dass es in „Die Kinder vom Napf“ um die Jahreszeiten ging, der Film plätscherte so vor sich hin, dass ich gar nicht mehr gemerkt habe, wie sich die Natur verändert. Die erste Viertelstunde sind sie doch nur durch den Schnee zur Schule gegangen, und vom Herbst hat man gar nichts mitbekommen. Erst am Ende habe ich es gemerkt.

Oskar: Dass es um die Jahreszeiten ging, habe ich schon mitbekommen, aber spannend war das nicht. Dass Herbst war, hat man in einer Szene gesehen, als Blätter auf der Straße herumwirbelten.

Sieba: Mir war „Der Eisdrache“ auch nicht zu schnell. Im Gegenteil – dadurch, dass so viel passiert ist, habe ich mich viel mehr konzentriert. Bei „Die Kinder vom Napf“ habe ich ziemlich bald über andere Sachen nachgedacht.

Oskar: Es war ziemlich schnell klar, dass da nichts Aufregendes passiert, dass man einfach den Kindern dabei zusieht, wie sie leben. Das fand ich zwar interessant. Aber wenn sie nach dem Film nicht selbst aufgetreten wären und so viel erzählt hätten, wäre es doch langweilig gewesen.

Sieba: Ja, wie das kleine Mädchen gesagt hat, dass sie noch nie geflogen sind und dass der Pool im Hotel voll cool ist.

Oskar: Das war lustig, auch als der Junge sagte, hier ist mehr Beton und weniger Gras als bei ihnen in den Bergen.

Sieba: Die Kleine war auch die Einzige, die man im Film immer sofort wiedererkannt hat. Die sah anders aus als die anderen und hat ulkige Sachen gemacht.

Oskar: Wie sie sich den Zettel von ihrer Lehrerin auf den Bauch klebt, anstatt ihre Aufgaben zu machen, das ist witzig.

Sieba: Aber einige Sachen haben wirklich zu lange gedauert: Als der Junge dieses Podest baut und immer wieder gezeigt wird, wie er mal einen Nagel einschlägt oder ein Tau um die Pfosten bindet.

Oskar: Und alles nur, um dann mit zwei Freunden darauf zu sitzen und Musik zu machen – das war schon ein bisschen zu aufwendig. Übrigens fand ich „Der Eisdrache“ nicht zu gruselig. Als Mik und seine Freundin Pi im Haus der alten Frau sind, um die Katze zurückzubringen, und die Frau dreht sich um und schaut die zwei aus Katzenaugen an – das war eher lustig, als die Kinder schreiend weggelaufen sind. Ich kam eigentlich sehr gut mit, aber ich habe die Szene nicht verstanden, wo Miks großer Bruder Toni von der Polizei verhaftet wurde und danach liegt der Vater zu Hause auf dem Küchenboden und blutet.

Sieba: Ja, das fand ich auch seltsam, weil die Szene so plötzlich kam.

Oskar: Aber das war nicht schlimm, ich habe trotzdem alles verstanden. Und die Musik war in „Der Eisdrache“ toll. Immer, wenn die Bande auftauchte, wurde Hip-Hop gespielt, das war cool. Man hat darauf gewartet – und dass ihre Handys dann auch noch die gleichen Klingeltöne hatten!

Sieba: Die Szene hat mir am besten gefallen, als die drei Freunde von Mik auf der Flucht vor den Leuten vom Jugendamt ihre klingelnden Handys wegwerfen. Und der dicke Junge sagt, da war alles drauf – MP3, Kamera, alles – und es trotzdem in den Schnee wirft. Das fand ich super.

Oskar: Mir hat die Szene am besten gefallen, wo Mik im Schulbus sitzt und sein besoffener Vater versucht, reinzukommen, und ein Mitschüler fragt: Ist das dein Vater? und Mik sagt nur: „Nee, der Penner doch nicht.“

Sieba: Ich bin den Figuren in „Der Eisdrache“ viel nähergekommen. In „Die Kinder vom Napf“ hatte ich am Anfang Schwierigkeiten, die auseinanderzuhalten. Das waren halt irgendwelche Kinder. Mit Mik konnte ich mitfühlen.

Das Gespräch hat Grit Thönnissen

protokolliert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben