Kultur : Mit Rohrblatt und Krawatte

Zum Tod des Jazzsaxofonisten Benny „The King“ Carter

Gregor Dotzauer

Er war ein schwarzer Elegant, wie es ihn nie mehr geben wird. Gegen Benny Carter wirken alle jungen Musiker, die im Anzug gegen das Schmuddel-Image des Jazz anspielen, wie verkleidet. Und seine gediegene Musikalität, mit der er fast ein Jahrhundert lang von der Prä-Swingära bis zum boporientierten Mainstream-Jazz der 70er und 80er Jahre alle Stilrevolutionen strahlend überlebte, ist nur noch als Zitat denkbar. Aber obwohl er kein Neuerer war und ihm auf seinem Instrument, dem Altsaxofon, schon in Charlie Parker jemand begegnete, dessen wild abschnurrende Tonkaskaden ihm fremd sein mussten, hatte er etwas Genialisches. Carters ebenso fein geschliffene wie zupackende Gesanglichkeit hob ihn auf eine Ebene mit Sängern wie Mel Tormé, die ihre Möglichkeiten innerhalb traditioneller Formen ausreizten. Überhaupt hat Carter für so ziemlich alle großen Sänger und Sängerinnen Arrangements geschrieben. Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Sarah Vaughn und Billy Eckstine wussten, was sie an ihm hatten. Carter war der „King“, so sein Spitzname. Nach aristokratischen Maßstäben stand Ellington, der Duke, also unter ihm.

Carter, am 8. August 1907 in New York City geboren, war weitgehend Autodidakt. Neben dem Altsaxofon spielte er Trompete und machte auch als Pianist und Posaunist eine gute Figur. Seine instrumentale Vielfalt spiegelte sich in seinen Jobs: Vom Bigbandchef über den Filmkomponisten bis zum Pädagogen hat er nichts ausgelassen: Es gibt, wovon auch die Website www.bennycarter.com zeugt, nicht viele derart reiche Leben im Jazz. Am Samstag ist er mit 95 Jahren in Los Angeles gestorben.

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