Kultur : Mitkommen!

„SommerHundeSöhne“ von Cyril Tuschi

Silvia Hallensleben

Frank (Fabian Busch) sieht nicht nur aus wie ein großes Kind, er hat auch eine Hörkassette mit Papas Vorlesestimme in der Hosentasche. Marc (Stipe Erceg) ist mit seinem Motorrad auf der Flucht und inszeniert sich als Nihilist mit dunklem Geheimnis. Auf einem Berliner Ikea-Parkplatz, wo Frank das mütterliche Wohnmobil bewacht, treffen die beiden durch einen kleinen Unfall aufeinander und sind schon bald gemeinsam auf großer Reise.

Oder ist es doch mehr eine Geiselnahme? Ganz freiwillig ist Frank jedenfalls nicht mitgekommen, auch wenn er sich nur halbherzig sträubt. Doch schon bald ergibt sich der brave Junge dem launischen Zyniker, der das Gefährt Richtung Marokko dirigiert, um – auch er – einen Vater zu suchen, der dort in einer Oase leben soll. Unterwegs machen die Jungs neben hübschen Ausflügen in surreale Palmenparallelwelten die genreüblichen skurrilen Bekanntschaften, einen mysteriösen Verfolger und die rätselhafte Schöne am Wegesrand eingeschlossen.

„SommerHundeSöhne“ ist eine romantische Reise durchs Spiegelbild zum Selbst. Regisseur Cyril Tuschi – selbst schon in den Mittdreißigern – hat sie in seinem Spielfilmdebüt mit offensichtlichem Enthusiasmus und Einfallsreichtum in Szene gesetzt. Die Déjà-vus dominieren dennoch. Und leider sind Details der Inszenierung mitunter so plakativ geraten, wie es die Dramaturgie gegensätzlicher Hauptfiguren und ihre stereotype Besetzung nahe legt. In einer Komödie hätte das funktioniert.

So bleibt das Reizvollste an diesem Roadmovie das dezidiert antiromantische Europabild, durch das die beiden fahren: ein Landschaftsdesaster aus Autobahnen, Raststätten und Vorstädten, das sich von Berlin bis Benidorm erstreckt. Und in Ludwigshafen, beim neuen „Festival des deutschen Films“, hat „SommerHundeSöhne“ kürzlich den Publikumspreis gewonnen.

In Berlin in den Kinos Hackesche Höfe und Moviemento

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