Kultur : Mittelkürzung bei der Künstlersozialkasse um fünf Prozent

Eva Karcher

Folgen vor allem für Galeristen und Künstler katastrophalEva Karcher

Das Reizwort dieses Sommers heißt Kürzungen. Sein Inhalt bedeutet Streichungen von Geldern. Also wird landauf landab mit Zahlen jongliert. Das neueste Rechenexempel trifft den Bundeszuschuss zur Künstlersozialkasse (KSK) und bedroht vor allem Galeristen und in der Folge auch die Künstler. Denn das Bundesfinanzministerium will den 1999 gewährten Zuschuss von 175,7 Millionen Mark, das sind 25 Prozent der Gesamtausgaben der KSK, ab dem Jahr 2000 um fünf Prozent kürzen. Dann blieben noch 140 Millionen Mark übrig, die sich auf die vier Bereiche der KSK - Wort, Musik, darstellende Kunst und bildende Kunst - verteilen. Wenn rund 35 Millionen Mark wegfallen, müssen die Verwerter im Bereich Bildende Kunst, also vor allem die Galeristen, ab 2000 mit 48 Prozent, das heißt also rund 17,5 Millionen Mark weniger Zuschuss rechnen. Die Sozialabgaben von insgesamt 56 Millionen Mark, die sie 1999 aufbringen, würden bei einem Zusatzaufkommen von 17,5 Millionen Mark um mehr als 30 Prozent steigen. "Die Folgen sind katastrophal", meint Bernd Fesel, der Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Galerien (BVDG), "eine Hoffnung auf Wiederbelebung des deutschen Kunstmarkts wäre auf unabsehbare Zeit zunichte gemacht". Der deutsche Kunstmarkt stagniert in der Tat seit sechs Jahren, wie der Arbeitskreis Kulturstatistik unlängst am Beispiel von Nordrhein-Westfalen, der im Kunstmarkt traditionell stärksten Region belegte, während der Rest der "Zukunftsbranche Kulturwirtschaft" (Fesel) - Film, Musik, Theater - blüht und gedeiht. Weitere Kürzungen, so das pessimistische Fazit von Fesel und dem Vorstandsvorsitzenden des BVDG, Dietmar Löhrl, zerstören die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Galerien, die jährlich immerhin 600 bis 700 Millionen Mark, davon mehr als 100 Millionen für die Künstler, erwirtschaften. Einer scheint dies immerhin begriffen zu haben: Kulturstaatsminister Michael Naumann. Er hat sich gegen die Kürzung ausgesprochen. Ein Hoffnungsschimmer, weil sich die Diskussion mit seiner Hilfe endlich einmal auf eine andere Ebene verlagern könnte, weg von der "mit blindem Rotstift" so Fesel, geführten Debatte, hin zum Nachdenken über Reformvorschläge. Denn diese gibt es für die KSK, doch bisher wurden sie vom Kulturausschuss im Bundestag nicht aufgegriffen. So könnten zum Beispiel die vier Abgabenbereiche zu einem zusammengefasst werden, wodurch enorme Verwaltungskosten gespart würden. Auch der Vorschlag, die Zulassungsbedingungen für die Mitgliedschaft zu überprüfen und so Trittbrettfahrer auszuschließen, erscheint sinnvoll. "Wer die Reform der KSK verschiebt und statt dessen die Galerien belastet", betont Löhrl, "gefährdet damit auch die Einkommen von Künstlern". Wer also A sagt wie Minister Naumann, der zu Recht gegen Kürzungen argumentiert, der sollte auch das B wagen und Reformen unterstützen.
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