Kultur : Mixen wie die Weltmeister

POP

Sebastian Handke

Man hätte eigentlich darauf wetten können. Nachdem Jay-Z seine Abschiedsplatte im letzten Jahr ganz ohne falsche Bescheidenheit „Black Album“ benannt hatte, sie anschließend als a capella-Version herausbrachte und damit zum Remixen freigab, war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die nicht so wahnsinnig originelle Idee kam, eben jenes „Black Album“ mit dem legendären „White Album“ der Beatles kurzzuschließen. HipHop-Produzent Danger Mouse war als Erster fertig mit seinem „Grey Album“ – ein Titel, der nicht nur den Gesetzen der Farbenlehre geschuldet ist, sondern auch die rechtliche Grauzone markiert, in die sich der Remixer hiermit begibt.

Da Danger Mouse nämlich nicht einfach nur Musik, sondern schützenswertes Originalmaterial der Beatles verwendete, hätte er deren Eigentümer EMI unbedingt um Erlaubnis fragen müssen. Hat er aber nicht, und zwar vorsätzlich, wie er selber sagt, weil die gute Idee dann nie und nimmer ihre Umsetzung gefunden hätte. Wie zum Beweis untersagte EMI die Weiterverbeitung (statt, was vielleicht klüger und souveräner gewesen wäre) das Werk einfach selbst zu verkaufen. Prompt wurde der 24. Februar zum „Grey Tuesday“ erklärt: Ein Tag, an dem zahlreiche Internetseiten den Drohungen trotzten und das Album im Namen künstlerischer Freiheit zum Download anboten.

Obwohl man der Platte anhört, dass sie in knapp zwei Wochen herunterproduziert wurde, ist das Ergebnis erstaunlich gut. Die altertümliche Klangqualität aus den Apple-Studios und der Minimalismus dieser ja nur auf zwei Quellen beruhenden Collage – nahezu unveränderte Lyrics von Jay-Z sowie gesampelte Beats und Loops der Beatles – geben ihr eine Art rohe Energie, die aus dem Multimillionär Jay-Z plötzlich wieder einen zornigen und also richtig guten Rapper machen. Fast hätten wir das nämlich vergessen.

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