Kultur : Mobile

VOLKER STRAEBEL

Welches Orchester kann sich schon einer Soloflötistin rühmen, die in ihren Recitals nicht mit Piècen des vergangenen, sondern mit Schlüsselwerken des gegenwärtigen Jahrhunderts aufwartet? Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin kann das.Kornelia Brandkamp bot im Nachtstudio der Festwochen eine vorzügliche Auswahl der von der Darmstädter Schule geschaffenen Sololiteratur für ihr Instrument.Ihre "Hommage an einen Wiener Musikverlag" versammelte - mit Ausnahme Bruno Madernas - nur solche Komponisten, die Alfred Schlee in der für die Avantgarde der fünfziger Jahre bedeutenden Universal Edition Wien verlegt hatte.

Bereits mit den "Proporzioni" von Franco Evangelisti (1958) wußte Brandkamp für sich einzunehmen.Im halligen Raum der St.Matthäuskirche am Kulturforum ließ sie den einzelnen Phrasen ausreichend Zeit, sich klanglich zu entfalten.Komponierte Klappengeräusche und Mikroglissandi markieren die Grenzen der wohlgestalteten Einzeltöne und Gruppen.In der Flötenfassung von " ...explosante-fixe..." von Pierre Boulez (1971) fesselte sie dann mit atemberaubender, aber unaufdringlich umgesetzter Virtuosität, die das Publikum zum Applaus selbst zwischen den beiden Sätzen "Tansistore VII" und "Originel" animierte.Den in kreisender Melodik rauschhaft eilenden Figurationen und Flatterzungenklängen, den dynamisch fein gestalteten Trillern verhalf Brandkamp zu musikalisch empfundener Form und klanglich makelloser Reinheit.

Daß die Haltetöne in Luciano Berios "Sequenza I" (1958) danach in der Tonbildung etwas unausgewogen gerieten, verwundert nicht und läßt sich verschmerzen.Leichter jedenfalls als die technisch unbefriedigende Tonbandeinspielung in Roman Haubenstock-Ramatis "Interpolation" (1958), deren mit acht Minuten recht kurze Fassung ihre dichten "Mobile"-Überlagerungen klanglich undifferenziert verschmolz.Ein Wermutstropfen in dem ambitionierten Programm der zu recht bejubelten Solistin.

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