Mode : "Vivienne, Vivienne!"

Mit Rufen, Pfiffen, Kreischen und Applaus haben Dutzende Fans und Hunderte Neugierige der britischen Kult-Modedesignerin Vivienne Westwood (64) am Sonntagabend in Düsseldorf einen begeisterten Empfang bereitet.

Düsseldorf - Gekommen war die Menge zur Eröffnung einer umfassenden Retrospektive auf drei Jahrzehnte Modeentwurf der als exzentrisch und unkonventionell geltenden, dabei aber längst international etablierten Designerin. Ihre Entwürfe sind bis zum 14. Mai im NRW-Forum am Rhein zu sehen.

Als «Prinzessin Punk» - Westwood gilt als Erfinderin des in den 70er Jahren rebellierenden Subkultur-Outfits - endlich begrüßt wurde, hatte das Vernissagenpublikum bereits anderthalb Stunden auf die Modemacherin gewartet. Eine dicht gedrängte Masse, die in völlig überfüllten Ausstellungssälen auf das Erscheinen der Punk-Ikone ausgeharrt hatte, geriet beim Auftritt der von der Queen zur «Dame» erhobenen Designerin in heftige Aufregung. Fotohandys und Digitalkameras wurden massenhaft gezückt.

Die «Aggression» der deutschen Fans habe sie überrascht, meinte später die Pressechefin Westwoods, Denise Zamarioni. Gegen diese Verehrer brauche man wohl Ellbogen. Eine Erfahrung, die die Westwood- Truppe in anderen Ländern so nicht gemacht habe: In Australien etwa, erinnert sich Zamarioni, seien die Fans angenehm «layed back» («entspannt») und in Tokio einfach nur hysterisch.

Während die offizielle Begrüßung Westwoods noch mit Jubel quittiert wurde, ging die Rede der nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) über «eine mutige Trendsetterin», die es mit Skandal, Schock und Innovation zum Vorbild gebracht habe, in Buh- und «Aufhören»-Rufen unter. Westwoods wenige Worte, insbesondere die über eine Schuheinlage auf Gel-Basis, die das Laufen in Plateauschuhen angenehmer mache («Das wird Euer Leben verändern!»), wurden hingegen als Botschaft einer Designerin verstanden, die seit über 30 Jahren als «Extreme» gilt. Mit einem von ihr entworfenen Paar Schuhe, die in der Düsseldorfer Schau unter Glas zu bewundern sind, hatte Westwood einst das Model Naomi Campbell auf dem Laufsteg zu Fall gebracht.

Westwood, die um den Hals ein Blechschild mit «I`m not a Terrorist - please do not arrest me» («Ich bin kein Terrorist - Bitte nicht verhaften») trug, gab dann doch noch ein kurzes Bad in der Menge. Die schob sich mit Autogrammwünschen Zentimeter für Zentimeter vor, um dann festzustellen, dass «Dame Westwood» längst entschwunden war: Ein Stockwerk höher, wo die Sponsoren der Schau zum Menü eingeladen hatten. (Von Antje Lorscheider, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben