Kultur : Modell N° 5

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Christine LemkeMatwey verfolgt die Opernstrukturreformdebatte

Wie Boviste schießen derzeit die Vorschläge zur Reformierung, Zementierung oder Asphaltierung der Berliner Opernszene aus dem märkischen Sand. Schließlich muss Kultursenator Thomas Flierl bis Ende des Jahres „sein“ Reformkonzept vorgelegt haben. Und schließlich sollen die Intendanten derzeit bei ihm fast täglich auf der Matte stehen. Gegen die Modelle der Herrschaften Eckhardt/Vollmer, Weiszäcker und Ruzicka sowie der im Tagespiegel vom 10. Oktober erwogenen Festpielhaus-Lösung für die Lindenoper will nun auch die Berliner CDU-Fraktion nicht länger alt aussehen. Vergessen die Untaten der fetten Jahre, als wir selbst noch am Regierungsruder saßen, so der Tenor des von Monika Grütters und Christoph Stölzl ausgearbeiteten Papiers mit dem schönen Titel „Opern erhalten – Kulturpolitik ohne letzten Vorhang“: Jetzt wird geklotzt. Und entschlossen von der Zukunft geträumt. Eine Holding in der Rechtsform einer Stiftung soll her (wie bei den Philharmonikern oder dem Technikmuseum), deren alleiniger Geschäftsführer die drei Intendanten an der kurzen Leine führt. Das heißt: keine Schließtage mehr und ein der jeweiligen Architektur angepasstes Repertoire. Barockes und Gastspiele Unter den Linden, 19. bis 20. Jahrhundert an der Bismarckstraße, deutsch Gesungenes und Operetten an der Komischen Oper. Das heißt auch: Barenboim müsste (und hier verbirgt sich gegenüber 2000 der Stölzl’sche Lerneffekt!) seinen Wagner künftig an der Deutschen Oper dirigieren und Thielemann seinen Donizetti künftig an der Staatsoper. Und das Publikum müsste getreulich mitwandern. Ein Aufweichen der „corporate identity“ also. Profilierung durch Flexibilisierung. Fragt sich nur, ob diese Rechnung (das Einsparpotenzial wurde nicht näher beziffert) mit oder ohne die amtierenden Stars dieser Stadt gemacht wurde. Und ob die Zeit reicht. Aber wie sagt Monika Grütters immer so schön: Man frage ja auch nicht, „braucht man drei Kinder“, wenn man drei Kinder hat.

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