Moderne Kunst : Maler und Bildhauer Karel Appel tot

Der Maler und Bildhauer Karel Appel ist im Alter von 85 Jahren in Zürich gestorben.

Den Haag - Der frühere Direktor des Amsterdamer Stedelijk Museums hat den Maler und Bildhauer Karel Appel als «markantesten niederländischen Künstler der Nachkriegszeit gewürdigt. Appel war am Mittwoch im Alter von 85 Jahren in seinem Wohnort in Zürich (Schweiz) gestorben. Vor allem mit Gemälden in kräftigen, dick aufgetragenen Farben sowie fantasievollen Kunstwerken aus verschiedenen Materialien hat sich Appel international einen Namen gemacht, betonte Museumsdirektor Rudi Fuchs am Donnerstagabend.

«Er hat den Niederländern deutlich gemacht, was moderne Kunst ist», schrieb am Freitag die Zeitung «de Volkskrant» über den Künstler, der zunächst im eigenen Land auf wenig positive Resonanz gestoßen war. «Er war ein Paradebeispiel dafür, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt», meinte auch das «Algemeen Dagblad». In Nachrufen wurde Appel mit dem Satz zitiert: «Ich male wie ein Barbar in dieser barbarischen Zeit.»

Appel war Mitbegründer der dänisch-belgisch-niederländischen Künstlergruppe Cobra, die nach dem Krieg zur Erneuerung der Malerei beigetragen hatte. Er hat zuerst in Paris und den USA Anerkennung für seine Arbeit gefunden. Erst danach setzte er sich mit seiner als «orgiastisch» charakterisierten Arbeitsweise und seinen expressionistisch geprägten Werken auch beim Publikum in seiner Heimat durch. Kritiker zählen heute seine zwischen 1946 und 1951 entstandenen so genannten naiven Gemälde wegen ihrer Vitalität und Ausdruckskraft zu seinen besten Werken.

«Er hat sein Leben lang nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten gesucht», schilderte Fuchs. In Interviews hatte der Künstler immer wieder betont, dass er sich ständig erneuern wolle. «Schöne Bilder und süße Farbdarstellungen» seien nicht seine Sache. Die letzten Jahre lebte und arbeitete Appel vor allem in New York, in Monaco und in Italien. «Mit großer Freude und viel geistiger Freiheit» schuf er vornehmlich aus Fundstücken von Flohmärkten Skulpturen aller Art, berichtete «De Telegraaf». Trotz Herzproblemen hat Appel bis zuletzt gearbeitet. Fuchs berichtete von seinem letzten Besuch in Zürich vor wenigen Wochen, bei dem er die letzte unvollendet gebliebene Arbeit des Künstlers sah, ein Landschaftsgemälde.

Das Stedelijk Museum hatte ihm zu seinem 80. Geburtstag eine Ausstellung gewidmet. Eine der auffallend wenigen Ausstellungen in seinem Heimatland, hieß es in den Zeitungen. Seine letzte große Ausstellung mit jüngeren Werken war 2004 in Brüssel. Auf Kunstauktionen brachten seine Gemälden und Skulpturen schon seit langem Rekordbeträge.

Appel hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Dazu zählten 1954 der Unesco-Preis bei der Biennale in Venedig und 1960 der Internationale Guggenheim-Preis. Die niederländische Königin Beatrix hat ihm einen hohen Orden verliehen, und zu seinem 80. Geburtstag wurde er Mitglied der französischen Ehrenlegion. (tso/dpa)

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