Kultur : Moderne Märchen: Kinderbuchautoren der alten DDR sind wieder aktiv

Simone Leinkauf

Kinderbuchautoren in der DDR hatten im Vergleich zum Westen ein verhältnismäßig leichtes Leben. Ihre Arbeit an Kinderbüchern und Drehbuchvorlagen für Kinderfilme war weit mehr anerkannt als in der alten Bundesrepublik. Nach der Wende hatten viele dieser Autoren existentielle Sorgen. Die alten DDR-Verlage kämpften um ihr Überleben und Westverlage hatten wenig Interesse an Autoren, deren unpolitische Werke zu DDR-Zeiten kaum einmal die Zensur gegen sich aufgebracht hatten.

Gunter Preuß, der am 15. September seinen 60. Geburtstag feiert, ist einer von ihnen. Seine erstes Kinderbuch "Jo spannt den Wagen an" erschien 1972. Nach der Wende erfolgte das West-Debüt mit einer Sammlung von Aphorismen: "Treibholz". Ein Titel, der gleichzeitig Synonym für die eigene Befindlichkeit zu sein schien.

Seine Bücher sind poetische Werke, literarisch ausgefeilt. In seinem jüngsten Werk "Die Falle" erzählt er eine Geschichte aus der Kalahari. Die Buschleute leiden, weil es seit Monaten nicht mehr geregnet hat. Hoffnungslosigkeit und Angst vor dem Verdursten machen sich breit. Ada entdeckt, dass nur die Paviane nicht unter Durst leiden. Adas Freund Bo will einen Affen fangen, um dem Geheimnis der Paviane auf die Spur zu kommen. Beiden Kinder verlassen ohne Erlaubnis das Lager und machen sich auf die Suche nach Wasser. Es ist eine kleine, unauffällige und sparsame Erzählung, das macht den Charme dieses Buches aus.

Henning Pawel schreibt seit 1984 Hörspiele und Texte für Kabarett und Theater und arbeitete als Regisseur. Jugendbuchautor wurde er erst nach der Wende - seit 1990 erschienen 14 Titel. Er erzählt er von Freundschaft, von gelungenen und verratenen Beziehungen. Im Mittelpunkt stehen stets Minderheiten oder Schwache: "In jedem meiner Bücher gibt es mindestens einen Juden, einen Hund und eine große Freundschaft", so Pawel. In seinem jüngsten Werk "Pfau, Schwein, Ziege, Hund - Dicke Freundschaft macht gesund", geht es um die Schweinedame Pamela, den schottischen Militärziegenbock Alexander, Kofferspaniel Koffi, den schauspielernden Pfau Roy und die Kinder Fany und Robert. Alle sechs sind krank und müssen ins Krankenhaus, wo sie einander helfen, gesund zu werden.

Wieder einmal gelingt es Pawel den Wert von Freundschaft und Hilfsbereitschaft humorvoll und ohne den drohend erhobenen Zeigefinger aufzubereiten.

Die Ostberlinerin Christamaria Fiedler veröffentlichte mit Ende 20 ihr erstes Kinderbuch "Die Weihnachtsmannfalle". Der Sprung in die freie Marktwirtschaft gelang der heute 54jährigen recht gut. Im Herbst erscheint ihre unterhaltsame Story über die Familie Holle, die zur besten "Weihnachtsfamilie" der Stadt gekürt werden will, um eine Reise zu gewinnen. Alle strengen sich mächtig an, doch das ist gar nicht so einfach, wenn der Hund verschwunden ist oder man sich gerade das erste Mal verliebt, wie Lillis große Schwester. In diesem modernen Märchen, entfaltet die Autorin ihren liebevollen Humor, der auch die Geschichten um die "Chaosweiber" Isy und Amanda auszeichnete.

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