Kultur : Modestars in Serie

Ulrich Clewing

erklärt Berlin zur Hauptstadt der Fotografie Dass Berlin eine Galerienszene hat, die in Deutschland ihresgleichen sucht, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Nicht ganz so präsent ist dagegen ein anderer, ebenso bemerkenswerter Umstand: Berlin ist auch die Hauptstadt der Fotografie. Die Eröffnung der Helmut-Newton-Stiftung in der ehemaligen Kunstbibliothek in der Jebensstraße am Bahnhof Zoo und die in drei Wochen folgende Eröffnung des Museums für Fotografie sind nur die neuesten Schmucksteine in diesem Mosaik, das in den letzten Jahren immer größer und schöner geworden ist. Neben den etablierten Spitzenhändlern wie Berinson und Kicken gibt es derweil eine ganze Reihe von unterschiedlich ausgerichteten Galerien und Initiativen in der Hauptstadt.

* * *

Selbstverständlich ein Muss und in ihrem speziellen Segment unangefochten führend ist die Galerie Camera Work in der Kantstraße 149. Hier werden Klassiker aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie aktuelle Modestars in Serie präsentiert, wobei man gesteigerten Wert auf edle Darreichungsformen legt. Wie so oft in der Modebranche gilt der originale Vintage-Print nicht viel, der aufwändige, großformatige Labordruck in der mit Samt ausgeschlagenen Vorzeigemappe dafür umso mehr. Mode und – als Kontrastprogramm – mitunter ziemlich harter Fotojournalismus prägen auch das Profil von C/O Berlin, Non-Profit-Galerie und Newcomer in der Linienstraße 144, der es mit Ausstellungen mit Werken von James Nachtwey oder René Burri aus dem Stand innerhalb kürzester Zeit ganz nach oben geschafft hat.

* * *

Giedre Bartelt, die sich auf Fotografie aus dem Baltikum spezialisiert hat (Linienstraße 161), Imago Fotokunst (Auguststraße 29c) und FAS ( Fotografie am Schiffbauerdamm , Mauerstraße 68) sind drei weitere Galerien, in denen nicht nur erstklassige Fotoausstellungen zu sehen sind, sondern sich auch studieren lässt, wie unterschiedlich mit Originalabzügen und Künstlernachdrucken umgegangen wird. Das Gleiche trifft auf Argus Fotokunst zu. Dort sind derzeit Arbeiten von Sibylle Bergemann zu sehen (Marienstraße 9, bis 27. Juni). Die Grande Dame der Modefotografie der DDR brilliert einmal mehr mit ihren ungewöhnlichen, aufs unerwartete und immer leicht schräge Detail zugeschnittenen Bildern, die sie nach Bedarf, Lust und Laune und ohne Ansehen der Auflage abzieht – was angenehme Auswirkungen auf die Haushaltskasse hat: Die Preise reichen von 400 bis 1000 Euro und das ist definitiv gut angelegtes Geld.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben