Möglicher Beitritt von Nachbarregionen : Mehr Schweiz wagen!

Über die neuerlichen Fantasien der Schweiz, benachbarte Regionen als Kantone in die Eidgenossenschaft aufzunehmen, lässt sich hierzulande nur staunen.

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Die Schweizer Berge. Foto: dpa
Wer würde nicht gerne zum Schweizer Heidiland gehören?Foto: dpa

Die Schweiz misst 41 000 Quadratkilometer und hat 8,1 Millionen Einwohner. Verwaltungsmäßig gliedert sie sich in 26 Kantone, die wohl nicht ganz so souverän sind, wie man als Nichtschweizer vermutet. Die „Neue Zürcher Zeitung“ jedenfalls schreibt unverblümt: „Der Zentralstaat in Bern hält die Kantone an der kurzen Leine.“ Der Satz steht in einem ganzseitigen Artikel, in dem über beitrittswillige Nachbarländereien spekuliert wird, abgemildert mit der Unterzeile: „Die skurrile Debatte über die Integration der Nachbarregionen sagt viel über die Stimmung beiderseits der Grenze aus.“

Als Deutscher kann man nur staunen über die nüchtern dargestellte Idee, benachbarte Regionen als Kantone in die Eidgenossenschaft aufzunehmen. Die Schweiz, seit 1848 frei von kriegerischen Unternehmungen, setzt sich sonst eher nicht dem Verdacht annektionistischer Gelüste aus. Vielmehr drängen Außenstehende in die Schweiz: 23 Prozent der Einwohner sind Ausländer, was umgekehrt dazu beigetragen hat, die nationalistische „Schweizerische Volkspartei“ mit einem Viertel der Wählerstimmen zur stärksten Strömung des Landes zu machen.

Auf der mit abgedruckten Landkarte der „NZZ“ sind 13 womöglich beitrittswillige Regionen verzeichnet. Darunter nimmt das österreichische Vorarlberg eine historische Sonderstellung ein, hatten sich die Bewohner dieses östlichen Nachbarn doch bereits 1919 mit überwältigender Mehrheit um die Aufnahme in die Eidgenossenschaft beworben – was deren stockkonservative protestantisch-reformierte Mehrheitsbürger brüsk verweigerten. Dass Südtirol beitreten würde, kann nicht verwundern.

"Abrundung des Schweizer Territoriums"

Die „Los von Rom“-Bewegung kennt jeder im Etschtal von Kindesbeinen an. Anders ist es beim benachbarten Veltlin – das stand lange Zeit unter Graubündner Hoheit, aber die Reformierten mochten die katholischen Nachbarn nicht. Die südlich gelegene Lombardei hingegen, jahrhundertelang Ziel armer Tessiner Saisonarbeiter, denkt pragmatisch ans eigene Bruttosozialprodukt und die hohe Steuerlast des italienischen Staatsmolochs. Ähnliches gilt für Baden-Württemberg, das die „NZZ“ ebenfalls als potenziellen Aufnahmekandidaten beschreibt: „Die Achse Lombardei-Schweiz-Süddeutschland stellt die potenteste Wirtschaftsregion Europas dar.“

Die „Abrundung des Schweizer Territoriums“ durch angrenzende Provinzen würde zu einer Bevölkerung von rund 40 Millionen führen, zum Fünffachen der jetzigen Einwohnerzahl. Allein dass der Text in der internationalen Ausgabe der Zeitung erschien, lässt argwöhnen, dass da rings um die Schweiz ein Keim des Sezessionismus gesät werden soll. Wenn nur nicht wieder die Reformierten mauern!

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