Mogwai in Berlin : Wie daheim: Mogai live

Die schottische Postrock-Band Mogwai im Berliner Tempodrom.

Philipp Sickmann

Ganz so rockstarmäßig wie zwei Tage zuvor beim Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten geht es nicht zu im Tempodrom. Dabei sind Mogwai eigentlich Rockstars. Nur etwas gediegener, bodenständiger. Für die Glasgower Instrumentalmusiker ist es, ähnlich wie bei Erdogan, fast schon ein Heimspiel. Zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren sind sie in Berlin, wo Keyboarder und Gitarrist Barry Burns seit 2009 wohnt. Er betreibt die Neuköllner Bar Das Gift.

Das Tempodrom ist gut besucht, der Beginn des Konzerts gerät jedoch ziemlich schleppend. Einige Tracks dümpeln unaufgeregt vor sich hin. Die für Mogwais Anfangstage typischen Krachorgien mit knalliger Laut-Leise-Dynamik finden nicht den Weg ins Liveset. Dafür tragen die Songs vom neuen Album „Rave Tapes“ einen flächigen, raumgreifenden Sound in die Manege.

Das schwebende Vocoder-Stück „The Lord Is Out Of Control“ oder die hypnotisch-mäandernde Synthrock-Nummer „Remurdered“ setzen auf Schönheit statt Lärm, elektronisches Zerfließen statt knarzendem Riffgewitter. Dazu leuchten Scheinwerfer an die gewölbte Decke, blinken Hexagone über den Köpfen der Band, und die Rückwand der Bühne erstrahlt in blutigem Rot oder grellem SciFi-Grün.

Für Ohrensausen sorgen dafür Tracks von den Vorgängeralben. „Rano Pano“ und „Batcat“ pusten ein paar Löcher ins Trommelfell, kreischende Gitarren brüllen durch den Saal und ersaufen manchmal jede Spur von Melodie. Lautstärke ist traditionell Bestandteil von Mogwais Konzerten. „Ich mag Musik, die dich körperlich trifft“, sagt Burns vor dem Gig. In ruhigeren Momenten wird dafür auch mal die Violine ausgepackt oder Gesang angestimmt. Auch das gibt Mogwais Œuvre her, das neben den acht Studioalben auch zahlreiche EPs und Soundtrackarbeiten umfasst.

Zum Ende gewinnt der knapp 90-minütige Auftritt an Schwung und wird – das schafft Postrock selten – stellenweise sogar tanzbar. Nach dem Konzert, erzählt Burns, wolle er noch in seiner Bar vorbeischauen. Dort gibt es schottisches Bier. Schön, wenn man ein Heimspiel hat.

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