Kultur : Momentaufnahme: Ikonen der Fotografie in Berlin

Katrin Wittneven

Würde ist ein schwer zu fassender Begriff. Erst recht, wenn Menschen fotografiert werden, die keinen gängigen Schönheitsidealen entsprechen. Die amerikanische Fotografin Diane Arbus hat Junge und Alte aufgenommen, Gesunde und Kranke, kostümiert, nackt oder in Alltagskleidung. „Junger Mann mit Lockenwicklern“ (Copyright: 1972, The Estate of Diane Arbus LLC) heißt das berühmte Foto aus dem Jahr 1966, das Ende April bei Phillips, de Pury & Company in New York versteigert wird (Schätzpreis 100000 bis 150000 Dollar). Für wenige Stunden ist es morgen (14–18 Uhr) und Montag (9–18 Uhr) in den Berliner Räumen des Auktionshauses in der Auguststraße 19 zusammen mit anderen Ikonen der Fotografiegeschichte zu sehen. Präsentiert werden historische Schlüsselwerke der 1947 gegründeten Fotoagentur Magnum, die während des spanischen Bürgerkriegs, im Vietnam- oder zuletzt im Irakkrieg entstanden sind neben Vintageprints weltbekannter Porträts von James Dean oder Jane Fonda. Auch Arbeiten aus der Kollektion des amerikanischen Sammlers Alex Novak sind nach Berlin gereist, die in zwei Teilen im April und im Herbst ebenfalls versteigert werden. Darunter sind seltene Salzpapierabzüge und Fotogravuren auf Silberplatten. Das Auktionshaus setzt damit auch nach dem Ausstieg der Teilhaberin Daniella Luxembourg, der in der letzten Woche bekannt wurde, seine Strategie fort, Fotografie als einen Schwerpunkt auszubauen. Bereits im letzten Jahr hat sich das bewährt, als Phillips in New York den höchsten Umsatz in diesem Segment erzielte und sogar Sotheby’s und Christie’s übertrumpfte. Eine Fotografie von Diane Arbus erzielte bei der Auktion im letzten Jahr mit 405000 Dollar einen neuen Höchstpreis für die 1971 verstorbene Fotografin, die Generationen von Künstlern nach ihr inspiriert. Ihr Geheimnis: Sie kam ihren Modellen unglaublich nah. Entblößt wurden diese nie.

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