Kultur : Momente des Absurden im Alltäglichen

ELFI KREIS

Auch abseits vielbegangener Kunstpfade lassen sich bisweilen kleine Entdeckungen machen.Die verschlüsselten Bildwelten von Helmut Gutbrod mit ihren reduzierten Zeichen und Chiffren, seine rätselhaften Zwitterwesen zwischen Menschenkürzel und Gegenstandsfragment sind eine solche.Im 2.Stock einer stillen Wilmersdorfer Wohnstraße liegt ein wenig versteckt die Galerie Reinke.Sie zeigt neben den großen Acrylbildern "Erdzeichen" und "Monolyth" (bis 6800 DM) vor allem Arbeiten auf Papier (ab 650 DM).Denn der 1958 in Nürnberg geborene und in Berlin lebende Künstler bleibt selbst dann, wenn er zum Pinsel greift, in erster Linie Zeichner.

Auf Blättern der Serie "To the Bone" von 1997/98 sind spiegelsymmetrische Menschenschemen miteinander verwachsen.Im wesentlichen auf ihre Umrißlinie beschränkt, bildet das Siamesische Zwillingspaar zugleich eine Art Kommunizierende Röhre.Ein anderes der piktogrammartigen Bildelemente gleicht sowohl einem anzugartigen Kleidungsstück wie einem amputierten Figurentorso.Offen bleibt, ob eine schlauchartige Schlangenlinie das figurenähnliche Objekt diagonal teilt oder beide Hälften wie eine Nabelschnur verbindet.Neben sezierten und zu Doppelgängern, Echofiguren, gespaltenen Persönlichkeitspiktogrammen zusammengefügten Torsi zählen isolierte Köpfe zu den häufigsten Bildzeichen.Freischwebend besetzen die eigenwillig kombinierten Realitätsfragmente die Bildfläche.Losgelöst von monokausalen Sinnzusammenhängen läßt Gutbrod Aussage und Inhalt in der Schwebe.Er seziert, isoliert, analysiert und entwickelt so einen autistischen Bildkosmos, der einen spröden Zauber entfaltet.Gutbrod konstituiert Momente des Absurden im Alltäglichen.Seine merkwürdigen Symbiosen zwischen Mensch, Maschine oder Apperatur sind fragile, zerbrechliche Balancezustände.

Gutbrods Bilder beruhen auf Gegensätzen: Positiv und Negativ, Schwarz und Weiß, Hell und Dunkel, Figur, Schatten und Spiegelung, Realitätfragment und Traumgebilde.Durchbrochene Umrißlinien sind Entsprechung für das Fragmentarische, das Brüchige menschlicher Existenz.Der Frage nach der Möglichkeit oder Unmöglichkeit zwischenmenschlicher Kommunikation, nach dem, was die überzeitliche Sprache der Bilder visueller Reizüberflutung zum Trotz vermag, ist der Künstler auf der Spur.Mit "Zeichenreihung" (Auflage 20, 150 DM) legt er ein Alphabet, einen Zeichencode seines bisher entwickelten Bildvokabulars vor.Diese Blätter liefern keine Komplettlösung, keinen Generalschlüssel zur Dechiffrierung.Etwas geht nicht auf in der geordneten Bilanz des Lebens.Gutbrods Zeichenstrich zielt auf jenen unwägbaren Rest, der immer wieder neu einen Strich durch rationales Kalkül und berechnete Planung macht.ELFI KREIS

Galerie Reinke, Nassauische Straße 57, bis 19.Februar; Dienstag bis Freitag 16-19 Uhr.

Auch abseits vielbegangener Kunstpfade lassen sich bisweilen kleine Entdeckungen machen.Die verschlüsselten Bildwelten von Helmut Gutbrod mit ihren reduzierten Zeichen und Chiffren, seine rätselhaften Zwitterwesen zwischen Menschenkürzel und Gegenstandsfragment sind eine solche.Im 2.Stock einer stillen Wilmersdorfer Wohnstraße liegt ein wenig versteckt die Galerie Reinke.Sie zeigt neben den großen Acrylbildern "Erdzeichen" und "Monolyth" (bis 6800 DM) vor allem Arbeiten auf Papier (ab 650 DM).Denn der 1958 in Nürnberg geborene und in Berlin lebende Künstler bleibt selbst dann, wenn er zum Pinsel greift, in erster Linie Zeichner.

Auf Blättern der Serie "To the Bone" von 1997/98 sind spiegelsymmetrische Menschenschemen miteinander verwachsen.Im wesentlichen auf ihre Umrißlinie beschränkt, bildet das Siamesische Zwillingspaar zugleich eine Art Kommunizierende Röhre.Ein anderes der piktogrammartigen Bildelemente gleicht sowohl einem anzugartigen Kleidungsstück wie einem amputierten Figurentorso.Offen bleibt, ob eine schlauchartige Schlangenlinie das figurenähnliche Objekt diagonal teilt oder beide Hälften wie eine Nabelschnur verbindet.Neben sezierten und zu Doppelgängern, Echofiguren, gespaltenen Persönlichkeitspiktogrammen zusammengefügten Torsi zählen isolierte Köpfe zu den häufigsten Bildzeichen.Freischwebend besetzen die eigenwillig kombinierten Realitätsfragmente die Bildfläche.Losgelöst von monokausalen Sinnzusammenhängen läßt Gutbrod Aussage und Inhalt in der Schwebe.Er seziert, isoliert, analysiert und entwickelt so einen autistischen Bildkosmos, der einen spröden Zauber entfaltet.Gutbrod konstituiert Momente des Absurden im Alltäglichen.Seine merkwürdigen Symbiosen zwischen Mensch, Maschine oder Apperatur sind fragile, zerbrechliche Balancezustände.

Gutbrods Bilder beruhen auf Gegensätzen: Positiv und Negativ, Schwarz und Weiß, Hell und Dunkel, Figur, Schatten und Spiegelung, Realitätfragment und Traumgebilde.Durchbrochene Umrißlinien sind Entsprechung für das Fragmentarische, das Brüchige menschlicher Existenz.Der Frage nach der Möglichkeit oder Unmöglichkeit zwischenmenschlicher Kommunikation, nach dem, was die überzeitliche Sprache der Bilder visueller Reizüberflutung zum Trotz vermag, ist der Künstler auf der Spur.Mit "Zeichenreihung" (Auflage 20, 150 DM) legt er ein Alphabet, einen Zeichencode seines bisher entwickelten Bildvokabulars vor.Diese Blätter liefern keine Komplettlösung, keinen Generalschlüssel zur Dechiffrierung.Etwas geht nicht auf in der geordneten Bilanz des Lebens.Gutbrods Zeichenstrich zielt auf jenen unwägbaren Rest, der immer wieder neu einen Strich durch rationales Kalkül und berechnete Planung macht.

Galerie Reinke, Nassauische Straße 57, bis 19.Februar; Dienstag bis Freitag 16-19 Uhr.

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