Monat der Fotografie in Berlin : Gipfel der Starfotografen beim Bundespräsidenten

Bundespräsident Joachim Gauck hatte ins Schloss Bellevue eingeladen - und es kamen Starfotografen wie F. C. Gundlach, Thomas Höpker, Herlinde Koelbl und Juergen Teller.

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Nicht mit Foto, sondern mit Gemälde (nämlich von Luther): Joachim Gauck.
Nicht mit Foto, sondern mit Gemälde (nämlich von Luther): Joachim Gauck.Foto: dpa

Was für eine Kondition! Eben noch in der Ukraine, dann in Israel, und nun steht Joachim Gauck plaudernd inmitten von Menschen, die der Fotografie verbunden sind, als Schöpfer, Vermittler, Sammler und Beobachter. Joachim Gauck ist bester Laune, immer wieder bilden sich um ihn neue Grüppchen.

Der Bundespräsident hat zu einer freitäglichen „Soiree zu Ehren der Fotografie“ ins Schloss Bellevue geladen, und mit ihrem auf dem Programmheft unter goldenem Bundesadler abgedruckten Titel „Augenblick und Dauer“ ist umrissen, was die Fotografie auszeichnet: den Augenblick zu bannen und ihm Dauer zu verleihen. Es ist eine Anerkennung der Fotografie im Allgemeinen und des Monats der Fotografie im Besonderen, die Gauck mit seiner Einladung ausspricht, angestoßen übrigens von der Kulturprojekte GmbH mit Moritz van Dülmen und dem Ausstellungshaus C/O Berlin mit Stephan Erfurt.

Willy Brandt, Napalm, Mond

„Noch nie hat es beim Bundespräsidenten eine solche Veranstaltung gegeben“, sagt Gauck in seiner Ansprache, und es klingt ehrlich verwundert. Dabei gibt es, lässt er launig einfließen, „das für deutsche Fußballfreunde wichtigste Foto nicht“: das vom „Wembley-Tor“. Dafür aber das Foto von Willy Brandts Kniefall in Warschau, das von dem nackten vietnamesischen Mädchen auf der Flucht vor Napalm, und das der „blauen Erde über der Wüste des Mondes“. So beiläufig und doch präzise umreißt Gauck das Thema.

Dann gibt es drei „Dia-Abende“, jeweils 16 riesengroß projizierte Bilder, die die betreffenden Fotografen als ihre Vorzeigearbeit selbst gewählt haben, und die nun wahrlich die Spannweite des Mediums vorführen. Eine zwischengeschaltete Gesprächsrunde über „Politische Fotografie heute?“ brachte in ihrer Kürze erwartbar wenig, und der Vortrag des Benediktiner-Paters Elmar Salmann, „Der lange Weg vom Jagdzauber zum Augen-Blick der Betrachtung“, verlief sich im Kunstgewerblichen.

Zum Glück gab es den Pianisten Sebastian Knauer, der insbesondere mit Eric Satie den richtigen Ton traf, wie auch Ulrich Matthes, der mit der Lesung aus Thomas Bernhards „Auslöschung“ atemlose Zuhörer fand. „Ich kann Einstein nicht mehr sehen, ohne dass er seine Zunge herausstreckt, Gambetti, habe ich zu diesem gesagt“, ist so ein Satz von Bernhards Ich-Erzähler, der die Kehrseite des Mediums Fotografie grell hervortreten lässt: Ein einziges Bild kann jede andere Wahrnehmung des Objekts für immer unmöglich machen.

48 Fotokünstler waren eingeladen

Im Mittelpunkt aber die 48 mit je einem Bild eingeladenen Fotografen, es wäre ungerecht, einzelne zu nennen. Tun wir’s also doch. So alphabetisch wie beim Bundespräsidenten seien herausgegriffen: F.C. Gundlach, Thomas Höpker, Herlinde Koelbl, Peter Lindbergh, Rudi Meisel, Michael Ruetz, Gundula Schulze Eldowy, Thomas Struth, Juergen Teller, Michael Wesely. Dazu Wim Wenders, der einzige (Auch-)Fotograf – Gauck erwähnte es –, der Mitglied im erlauchten Orden „Pour le Mérite“ ist. Also, die Crème war da, alle fühlten sich wohl, es gab erlesene Häppchen und einen Fahrdienst für die paar Meter von der Sicherheitsschleuse zum Schlossaufgang – nichts wurde übersehen. Es war ein gelungener Abend.

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