Kultur : Mongolian Patchwork

WETTBEWERB „Tuyas Ehe“ von Wang Quan’an

Christiane Peitz

Lauter Okay-Filme bisher im Wettbewerb. Okay-Filme sind Filme, die man sich gerne anschaut, die sich aber nicht festsetzen im festivalbedingt flüchtigen Gedächtnis, weil sie der Erwartung entsprechen. Wang Quan’ans chinesischer Wettbewerbsbeitrag „Tuyas Ehe“ (der Regisseur war 2002 und 2004 bereits im Forum und im Panorama zu Gast) spielt in der mongolischen Steppe, und bei Filmen aus der Mongolei freut man sich auf den Anblick endloser Weideflächen und majestätischer Berge, auf antennenbewehrte Jurten, Männer in Fellstiefeln, buntgekleidete Frauen mit noch bunteren Kopftüchern und Herden dicht gedrängter Schafe, die mit ihren wolligen Rücken die Leinwand füllen.

All das bekommt der Zuschauer in „Tuyas Ehe“ zu sehen, ebenso wie sich selbst spielende Laiendarsteller und jenen warmherzigen Humor , wie man ihn etwa aus „Mongolian Pingpong“ kennt. Da der Film auch von der Verstädterung der Mongolei, also gewissermaßen von der Versteppung der Steppe erzählt, geraten neben Pferden und einem Kamel im Schneegestöber auch noch Mopeds, klapprige Lastwagen und ein veritabler Mercedes mitten in der Wüste ins Bild.

Tuya hat einen kranken Mann, zwei Kinder und leider keinen Brunnen vor der Tür. Neben der Jurte steht ein schlichtes Steinhaus, in dem Tuya tapfer schuftet, wenn sie gerade nicht mit dem Kamel Wasser holen geht oder die Schafe aufs Weideland treibt. Zu viel Arbeit für die junge Frau. Das Paar beschließt, sich scheiden zu lassen und einen neuen Mann für Tuya zu suchen, der bereit ist, auch den Ex-Mann mit zu versorgen. Also knattern alle möglichen Fahrzeuge mit Freiern auf dem Feldweg zu Tuyas Haus heran, also zieht die Hirtenfamilie versuchsweise in die Stadt. Aber der Gelähmte erträgt das Pflegeheim nicht – wo über den Fernsehmonitor Bilder von der mongolischen Wüste flimmern. Überhaupt: Tuya und die Ihren gehören ins Freie. Also beginnt ihr Nichtsnutz von Nachbar einen Brunnen zu graben. . .

Regisseur Wang Quan’an möchte festhalten, was im 21. Jahrhundert im Verschwinden begriffen ist: die Lebenskultur der mongolischen Hirten. Tuyas bockige Energie, ihre Wut, als ihr (Ex-) Mann sich das Leben zu nehmen versucht, ihr Dilemma, als in der Jurte zu guter Letzt eine Hochzeit gefeiert wird – das sprengt den Rahmen der Folklore. Ein paar Widerhaken gegen die Publikumserwartung hat Wang Quan’an doch noch eingebaut.

Heute 9.30 + 23.30 Uhr (Urania), 20 Uhr (International), 18. 2., 9.30 Uhr (Urania)

0 Kommentare

Neuester Kommentar