• Monumente der Leidenschaft Dakis Joannou zeigt zu den Olympischen Spielen seine exzeptionelle Sammlung in Athen

Kultur : Monumente der Leidenschaft Dakis Joannou zeigt zu den Olympischen Spielen seine exzeptionelle Sammlung in Athen

Eva Karcher

Wer jemals mit Dakis Joannou feiern durfte, der wird dieses Erlebnis nicht mehr vergessen. Denn der griechisch-zypriotische Bauunternehmer ist nicht nur einer der großzügigsten und dabei uneitelsten Gastgeber der internationalen Society, sondern auch einer der bedeutendsten Sammler von aktueller Kunst. Zur Voreröffnung seiner neuen Ausstellung „Monument to Now“ reiste deshalb auch die Crème de la Crème der zeitgenössischen Kunstszene Ende Juni nach Athen. Die ganze Nacht feierten Sammler und Galeristen, Künstler und Kuratoren champagnerselig und hummergestärkt zusammen mit dem Hausherrn, seiner eleganten Frau Lietta und den vier erwachsenen Kindern, die alle inzwischen eigene Sammlungen aufbauen.

Wer das Haus des Kunstliebhabers mit dem markanten Kopf und den aufmerksamen und gleichzeitig scheuen schwarzen Augen betritt, sieht sich schon im Eingang einer Reliquie der radikalen Avantgardekunst gegenüber. Marcel Duchamps „Urinoir“ vermittelt unmissverständlich die Philosophie des 64-jährigen Sammlers: „Erfolgreiche Kunst hat mit dem Leben zu tun. Mich berührt Kunst am stärksten, die unsere Gegenwart kommentiert, die sich auf unsere Gesellschaft bezieht“.

So stark er die „physische Präsenz“ brisanter Werkgruppen von Maurizio Cattelan, Robert Gober, Chris Ofili oder Vanessa Beecroft und Tim Noble & Sue Webster braucht, so wichtig sind für den Präsidenten des New Yorker Guggenheim Board gleichzeitig die eigenen kulturellen Wurzeln. In Zypern geboren, wuchs Joannou in Athen auf, studierte in den Sechzigerjahren Hoch- und Tiefbau in den USA und Architektur in Italien. Mit seinem Unternehmen J&P baut er seitdem vor allem im Mittleren Osten Städte und Straßen. Rechtzeitig zu den Olympischen Spielen eröffnet er drei Hotels. Ebenfalls fertiggestellt wurde ein zweites Ausstellungsgebäude im Zentrum Athens, in dem nun der größte Teil seiner Kollektion zu sehen ist – sorgsam eingerichtet von immerhin fünf internationalen Ausstellungsmachern.

„Monument to Now“ unter der Regie von Dan Cameron, Alison M. Gingeras, Massimiliano Gioni, Nancy Spector und Jeffrey Deitch knüpft an die viel gelobte Schau „Everything that’s interesting is new“ an, mit der sich Joannou 1996 der kunstinteressierten Öffentlichkeit vorstellte. Neben modernen Klassikern wie Bruce Nauman, Donald Judd und Paul McCarthy präsentierte er damals im Gebäude seiner 1983 gegründeten Deste Foundation im Viertel Neo Psychico Hauptwerke von Künstlern der jüngeren Generation wie Takashi Murakami, Tom Sachs oder Matthew Ritchie und Wolfgang Tillmans.

„Deste“ heißt „Sehen“. Für Joannou bedeutet es gleichzeitig „verstehen, teilnehmen, sich austauschen“. In Athen und Griechenland wurde seine Stiftung, die Ausstellungen, Symposien und Vorträge organisiert und jährlich einen mit 10000 Euro datierten Preis an griechische Nachwuchstalente vergibt, als einzige maßgebliche Institution für Gegenwartskunst zur Oase in der Wüste. Joannou ist ein Mann, der teilen will, der seine inzwischen 20-jährige Leidenschaft für Kunst kommunizieren muss, mit seiner Familie, den Freunden und Bekannten, der interessierten Öffentlichkeit, vor allem aber mit den Künstlern selbst. Von Anfang an suchte er ihre Nähe. Er lud sie in eines seiner Häuser ein, jedes randvoll mit erstklassiger Kunst gefüllt, oder auf seine Yacht, die „Protect me from what I want“ heißt, nach einer der „truisms“, der Binsenwahrheiten aus der „Survival“-Serie der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer. „Schütze mich vor meinen Wünschen“ – wer so ein Motto wählt, der weiß, was Begierden sind.

Einer von Joannous Künstlerfreunden ist Jeff Koons, dessen Skulptur „One Ball Total Equilibrium Tank“ er 1985 kaufte. „Ich hatte damals schon ungefähr 50 Galerien im New Yorker East Village besucht“, erzählt der Sammler, „dann sah ich die Arbeit. Ich war wie hypnotisiert von diesem Glascontainer, in dem ein Basketball schwebte. Einerseits wirkte es makellos und erhaben wie eine antike Säule, andererseits widersetzte es sich jeder Logik.“

Inzwischen besitzt Joannou über 30 Werke von Koons und damit die weltweit größte Sammlung. Die Liste seiner Favoriten ist seitdem proportional zu seinem unstillbaren Bedürfnis gewachsen, „Kunst zu spüren, sie anfassen zu können. Weil sie es ist, die mir immer neue Energie schenkt.“ Joannou sucht keine Trophäen, sondern Ikonen – Werke, die den Nerv ihrer Zeit treffen und gleichzeitig unvergänglich sind. Bei Künstlern wie Olafur Eliasson, Urs Fischer, Pipilotti Rist, Gregor Schneider und Franz Ackermann findet er solche Arbeiten: „Kunst, die Ideen und Gefühle kommuniziert. Darin liegt für mich ihre existenzielle Bedeutung.“

„Monument to Now“, bis 31. Dezember 2004. Exhibition spaces: Deste – Nea Ionia, E. Pappa & Filellinon Street; Deste Foundation for Contemporary Art, 8 Omirou Street; „Athens 2004“, 10 Filikis Etairias Street, www.monument-to-now.gr.

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