Mora-Theaterstück "So was in der Art" : Sauger im Wald

Terézia Mora zeigt ihr erstes Theaterstück in Mülheim/Ruhr

Ulrich Deuter

In der Mülheimer Stadthalle stinkt’s nach Sport und nach Turnschuh. Man nimmt die Sache als olfaktorische Ouvertüre zu einem Theaterstück, das gleich beginnen soll. In dem spielen sechs Jungs mit, irgendwo zwischen 12 und 17, einem Alter, das halt nicht ganz geruchsfrei ist. Die Rede ist von „So was in der Art“, dem ersten Theaterstück von Terézia Mora, die 1971 in Ungarn geboren wurde und seit 1990 in Berlin lebt. Sie schreibt auf Deutsch, bisher allerdings eher Prosa und TV-Drehbücher, hat 1999 den Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten und die deutsche Übersetzung von Péter Esterházys „Harmonia caelestis“ angefertigt.

So ein Auftragsstück soll nun jedes Jahr entstehen, als Koprodukt zwischen der beiden Festivals Ruhrtriennale und Mühlheimer Theatertage. Produziert hat es das Theater Oberhausen, Regie führt Kay Voges. Zugleich wild und züchtig, so stellt sich Terézia Mora die Adoleszenz vor, für die sie als Existenzialistin, wie sie sagt, eine Schwäche hat. Lassen wir den Existenzialismus, Kay Voges hat er auch nicht interessiert. Der Regisseur will’s nicht züchtig, nur wild. Er stellt sechs ausgewachsene und zunächst gut gewaschene Schauspieler an den Bühnenrand, hinter ihnen ein Plansch-und-Plumsbecken und ein Wald, der mit seinen Metallstützen und seiner Spiegeldecke eher wie eine Disko wirkt (Bühne: Daniel Roskamp). Was den Ton angibt für die ganze Inszenierung: nicht elegisch Moll, sondern albern Dur. Kaum haben die Knaben ausgesungen, hauen sie sich die Gitarrenimitate auf den Köpfen kaputt. Slapstick.

Einer kann ganz schön chaplinesk mit dem Fahrrad gegen die Wand fahren. Mit sechs Staubsaugern den Wald saugen wirkt auch ziemlich komisch. Sich zwei volle Packungen rosa Kaugummi in den Mund stopfen, erinnert an kindliche Gier und pädagogischen Zwang. Wenn einer neben einer Zündschnur, die sich man weiß nicht auf welche Explosion zu knistert, per Schwimmbrille verkaspert von der bösen Kindheit erzählt. Wenn dann mit einem Mal zwei jungfräuliche Schöne im weißen, durchsichtigen Gewande Hand in Hand aus der Tiefe des Raumes herbei schreiten und darob die Jungs vor Entzücken panisch aus dem Planschbecken fliehen – dann hat all das durchaus was.

Und doch irgendwie nur auf Umwegen mit Moras Text zu tun. Den führt Voges an der langen Leine Gassi und bringt ihm dabei alberne Kunststückchen bei. Das erheitert eine Weile und ermüdet dann. Allerdings, was hätte ein Regisseur anders machen sollen! Immerhin geht Voges mit seiner Distanzierung vom Stück, seinen teils schönen, teils blöden Spielideen theatralisch vor; was der Autorin nicht gelungen war. Sie hat ein kleines Ideendrama von teils steifleinener Ostermaierlichkeit verfasst, ohne Spannung und mit ein paar Bonmots über Gott und die Welt, von denen keines bemerkenswert ist. Und das Ende? Nun, da bringen die Jungs die präraffaelitischen Schönen um. Aus Metaphernzwang, denn im übertragenen Sinne tötet jeder Mann das Weib, wie bekannt. Dies auch in Voges’ Inszenierung. Nur hier nicht mit Pilzgift, sondern à la mode mittels MG. Dann Black. Nur stinken tut’s immer noch.

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