• Mord-Skandal oder Hohelied auf das Leben? Spanien streitet um Sterbehilfe und Amenábar

Kultur : Mord-Skandal oder Hohelied auf das Leben? Spanien streitet um Sterbehilfe und Amenábar

-

Die katholische Kirche schäumte, als Alejandro Amenábars „Das Meer in mir“ vor einem halben Jahr in Spanien anlief und dort zum erfolgreichsten Film des Jahres 2004 wurde. Der Skandal bestand für sie darin, dass der Film die wahre Geschichte eines Mannes erzählt, der jahrelang dafür kämpft, sterben zu dürfen. Weil ihm Priester, Behörden und Gerichte den Wunsch abschlagen, nimmt er mit Hilfe einer Freundin einen Todestrank zu sich, um sein „Recht auf einen würdevollen Tod“ durchzusetzen.

Spaniens Kirche, eine der Speerspitzen des Vatikans, startete eine groß angelegte Kampagne gegen die Sterbehilfe. „Die Euthanasie ist ein Tötungsdelikt, weil sie einschließt, dass ein Mensch den Tod eines anderen Menschen verursacht.“ In Millionen Flugblättern, die die Oberhirten vor den Gotteshäusern verteilen ließen, hieß es: „Das Leben ist nicht in der Hand des Einzelnen, als ob es ein Haus oder ein Bankkonto wäre“. Es habe „seinen Ursprung und sein Ziel in Gott“.

Eine Kampagne ohne rechte Durchschlagskraft: Rund zwei Drittel der Spanier sind Umfragen zufolge für die Sterbehilfe. Derzeit ist die aktive und passive Sterbehilfe in Spanien – wie in den meisten europäischen Ländern – verboten. Die neue Regierung hat deren Liberalisierung zwar noch nicht offiziell in ihr Programm aufgenommen, nahm an der Filmpremiere in Madrid aber mit gleich sechs Ministern teil. Regierungschef Zapatero: „Der Film ist keine Aufforderung zum Sterben, sondern paradoxerweise ein Hohelied auf das Leben.“ ze

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben