Kultur : Moritz Schuller

Lieblingsbuch

— Simon Sebag Montefiore:

Der junge Stalin. Das frühe Leben des Diktators 1878 – 1917. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007. 544 S., 24,90 €.

Der Pate, Teil II: Nachdem sich Montefiore schon mit dem „Hof des roten Zaren“ beschäftigt hatte, ist er nun der äußerst spannenden Frühzeit des Georgiers Dschugaschwili auf der Spur. Leicht erzählte Geschichtswissenschaft, wie man es von angelsächsischen Historikern gewohnt ist.

Schnelles Vergnügen

— Alan Posener:
Imperium der Zukunft. Warum Europa Weltmacht werden muss. Pantheon Verlag, München 2007. 224 S., 11,95 €.

Pathetisches zum großartigen Friedensprojekt Europa gibt es zuhauf, eine europäische Vision eines Europa-Skeptikers noch nicht. Beispiel: „Das Demokratiedefizit der Europäischen Union ist wahrscheinlich Voraussetzung für ihr erfolgreiches imperiales Handeln.“ In der geplanten EU-Verfassung standen solche Sätze jedenfalls nicht.

Klassiker

— Gay Talese:
Du sollst begehren. Auf den Spuren der sexuellen Revolution. Rogner & Bernhard, Berlin 2007. 672 S., 29,90 €.

Besser kann man auf das drohende 1968-Jubiläum gar nicht vorbereitet sein: Gay Talese, die amerikanische Journalisten-Ikone, erkundete schon 1975 die Lust an der freien Liebe. Jetzt ist sein epischer Bericht über die sexuelle Revolution endlich auch auf Deutsch erschienen.

Augen- und Ohrenweide

— Homer:
Odyssee. Übersetzt von Kurt Steinmann. Manesse Verlag, München 2007. 448 S., 69,90 €.

Früher klang es so: „Sage mir, Muse, die Taten des viel gewanderten Mannes,/ welcher so weit geirrt, nach der heiligen Troja Zerstörung“ (Johann Heinrich Voss, 1781). Heute so: „Muse, erzähl mir vom Manne, dem wandlungsreichen, den oft es/ abtrieb vom Wege, seit Trojas heilige Burg er verheerte.“ Auch sehr schön. Lesen muss man diese neuen Hexameter natürlich laut.



Zum Schlauwerden

— Stephen Kinzer:
Putsch! Zur Geschichte des amerikanischen Imperialismus. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2007. 564 S., 32 €.

Kinzer hat schon ein großartig erzähltes Buch zur amerikanisch-britischen Absetzung des iranischen Premiers Mohammed Mossadeg veröffentlicht. Nun rechnet der ehemalige „New York Times“-Journalist mit dem Rest der US-Geschichte ab. Futter für jeden anständigen Antiamerikaner.

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