• Mortier nach Berlin?: Wird der Künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele neuer Intendant der Berliner Festspiele? (Kommentar)

Mortier nach Berlin? : Wird der Künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele neuer Intendant der Berliner Festspiele? (Kommentar)

Berlin sucht einen Nachfolger für Ulrich Eckhardt. Der Intendant der Berliner Festspiele geht Ende dieses Jahres, wie schon mehrfach angekündigt, in den Ruhestand. Eckhardt ist eine Institution. Er leitet die Festspiele seit über einem Vierteljahrhundert. Doch zieht sich die Eminenz tatsächlich zurück? Und bemüht Berlin sich ernsthaft um die Neubesetzung des wichtigsten Postens, den die Kulturpolitik in der Hauptstadt zu vergeben hat?

Rüdiger Schaper

Berlin sucht einen Nachfolger für Ulrich Eckhardt. Der Intendant der Berliner Festspiele geht Ende dieses Jahres, wie schon mehrfach angekündigt, in den Ruhestand. Eckhardt ist eine Institution. Er leitet die Festspiele seit über einem Vierteljahrhundert. Doch zieht sich die Eminenz tatsächlich zurück? Und bemüht Berlin sich ernsthaft um die Neubesetzung des wichtigsten Postens, den die Kulturpolitik in der Hauptstadt zu vergeben hat?

Ginge die Sache ihren gewohnten Gang, müsste die Antwort lauten: nein. Offiziell hat Ulrich Eckhardt noch zehn Monate, und in dieser knappen Spanne findet sich normalerweise kein Kandidat von internationalem Rang. Dies jedoch lässt sich aus den denkbar dürren Äußerungen der Berliner Kulturverwaltung und des Bundeskulturministers deutlich heraushören: dass nur ein erstklassiger, weltgewandter Impresario für die Festspiele in Frage komme, alles andere sei indiskutabel. Es bleiben nur zwei Varianten. Entweder haben Berlin und der Bund die Sache verschlafen und vergeigt - was ein Skandal wäre. Oder man hat heimlich, still und leise längst die Weichen gestellt.

Es tut sich etwas. Gerard Mortier heißt - mit hoher Wahrscheinlichkeit - der neue Chef der Berliner Festspiele. Mortier soll Eckhardt nachfolgen. Der Künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele ist der ideale Kandidat. Dies findet Eckhardt auch, ohne sich in irgend einer Weise einmischen zu wollen. Aber: Eckhardt wünscht sich "jemanden von außen, einen Impulsgeber", einen Kandidaten von "radikaler Internationalität". Die Berliner Seite übt sich in beredtem Schweigen, Mortier lehnt jede Stellungnahme ab. Man verhandelt in geheimer Mission. Man praktiziert, so ist zu hören, "strategische Zurückhaltung".

Wie von selbst löst sich nun auch das Zeitproblem. In dieser Woche hat Mortier erklärt, er werde nun doch, wie sein Vertrag es vorsieht, bis September 2001 in Salzburg bleiben. Danach ist er frei für Berlin. Bis dahin würde Ulrich Eckhardt noch im Amt bleiben. "Über gewisse Übergangsnotwendigkeiten kann man mit mir sprechen", sagte er dem Tagesspiegel: "Mein Interesse ist, dass mein Nachfolger noch besser ist." Bekanntlich fällt Eckhardt, dem Meister der Bescheidenheit, der Abschied schwer. Kommt Mortier, kann Eckhardt seine Ehrenrunde drehen und sein Lebenswerk einem würdigen Nachfolger übergeben. Das Schweigen wird lauter, die Zurückhaltung heftiger. Mortier kommt.

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