Kultur : Moses Mendelssohn Zentrum durch Haushaltssperre gefährdet

Clemens Wergin

Das Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ) in Potsdam schlägt Alarm: Die Haushaltssperre im Wissenschaftsministerium, die schon zu faktischen Kürzungen von 12 Prozent bis zur Jahresmitte geführt hat, beginnt die Arbeit des renommierten Instituts zu gefährden. Der Leiter des Zentrums, Julius Schoeps, wies vor der Presse in Potsdam gestern darauf hin, dass fast der gesamte bisher bewilligte Etat für Personalkosten genutzt werden müsse. Er bezeichnete es als "ausgesprochen bedenklich", dass keinerlei Planungssicherheit mehr bestehe und sieht die Arbeit des MMZs durch die "Rasenmähermethode in extremer Weise bedroht".

Für die vollbesetzte Presseveranstaltung hatte sich das MMZ etwas einfallen lassen: Ein im historischen Kostüm auftretender Moses Mendelssohn mahnte in wohlgesetzter Rede zum "Gebrauch der Vernunft" in Sachen MMZ. "Jüdische Vermächtnisse sind nicht zu erwarten" sagte der vermeintliche Mendelssohn und wies auf die enge Zusammenarbeit mit dem Fachbereich "Jüdische Studien" an der Universität Potsdam hin. Ein Drittel der Veranstaltungen dort werden von Mitarbeitern des MMZ gehalten . Bei der Evaluation der Potsdamer Uni durch den Wissenschaftsrat wurden die fachübergreifenden Jüdischen Studien noch als Aushängeschild bewertet und ein Ausbau empfohlen. Dozent Christoph Schulte erklärte, der Studiengang sei "ohne das MMZ in seinem physischen Bestand gefährdet".

Insbesondere die Bibliothek des MMZ wird von den mehr als 200 Studenten der Jüdischen Studien dringend benötigt. Seit der Haushaltssperre sind aber nicht einmal mehr die Mittel für notwendige Neuanschaffungen vorhanden. Das MMZ hatte im letzten Jahr Landesmittel von 1,1 Millionen Mark erhalten und zusätzlich 426 000 Mark an Drittmitteln eingeworben. Durch die fehlende Planungssicherheit geraten aber nun Projekte in Gefahr, die mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert werden. Es sei "jetzt schon absehbar", so Schoeps, "dass schon vereinbarte Projekte nicht endgültig entschieden werden". Zur in der Diskussion stehenden Zusammenlegung des MMZ mit dem Einsteinforum sagte Schoeps, beide Institute hätten allenfalls einen jüdischen Namensgeber gemein, ansonsten aber komplett unterschiedliche Zielsetzungen.

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