Moshammer-Musical : Weltpremiere von "Daisy's König"

Das Musical "Daisy's König" über das Leben des im Januar 2005 ermordeten Münchener Modezaren Rudolph Moshammer hat am Donnerstagabend in der bayerischen Landeshauptstadt Premiere gefeiert.

München - Ob der Hundekuchen auch im echten Leben von Rudolph Moshammer und seiner geliebten Yorkshire-Hündin Daisy geteilt wurde, ist nicht bekannt. Das gilt für die meisten Dinge aus dem Privatleben des 2005 in seiner Villa im Münchner Stadtteil Grünwald ermordeten Modezaren. Zwar fehlte Moshammer auf keinem Society-Event, die verborgene Seite des Menschen Moshammer erschien aber erst auf den Titelblättern der Hochglanzmagazine, nachdem er im Streit um die Bezahlung von Liebesdiensten mit einem Telefonkabel erwürgt worden war.

Einen Blick auf den einsamen und in seiner eigenen Wirklichkeit gefangenen Menschen Moshammer zu werfen, dazu waren der Wiener Autor und Regisseur Thomas Thalhammer sowie die drei Schauspieler seines Musical-Ensembles angetreten, als sie am Donnerstagabend im nicht ausverkauften Münchner Theater Oberanger die Weltpremiere ihres Singstücks über den selbstverliebten Modemacher auf die Bühne brachten.

Überzeugender Mosi-Darsteller

Der Thüringer Sänger und Schauspieler Alexander Kerbst war optisch vom Original kaum zu unterscheiden. Mit ondulierter Perücke, mal rot, mal blau getönter Brille und dem wogenden Schritt des Münchner Paradiesvogels konnte Kerbst das Publikum überzeugen. "Der Moshammer gefällt uns besonders gut. Der Schauspieler schafft es, die Verletzlichkeit von Mosi überzeugend rüberzubringen", schwärmten zwei Damen in der ersten Reihe, die dem Darsteller während der knapp zweistündigen Aufführung gleich mehrmals besonders nah sein durften.

Anklang fand auch die Leistung der Hamburgerin Stefanie Kock, die gleich in mehreren Rollen auftrat: als zweifelnde Klatschreporterin, als Moshammers Mutter Else in knöchellangem Flokatimantel und als äußerst selbstbewusste Daisy mit Lederstiefeln und Brillanthalsband. "Gerade auch gesanglich beeindruckt mich die Wandlungsfähigkeit der jungen Frau", bekannte ein Zuschauer.

"Es wollt ein Schneider wandern"

Als perfekte Kopie seines Idols, des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II., saß der 25-jährige Thomas mit blauer Prunkuniform im Publikum und war von seinem Gegenüber auf der Bühne nicht wirklich überzeugt. "Im schwarzen Ledermantel gefällt mir der Ludwig nicht so gut, aber die Macher werden sich schon etwas dabei gedacht haben", seufzte der Münchner, nachdem Mosi und der Kini, gespielt von Robert Neumayr, zunächst heftig miteinander geflirtet und dann gemeinsam das schwäbische Volkslied "Es wollt ein Schneider wandern" gesungen hatten.

In dem Lied aus dem 18. Jahrhundert kämpft der Schneider in der Hölle mit den Teufeln und gewinnt schließlich gegen die Dämonen. Auf der Bühne verlor Moshammer diesen Kampf, kroch beim Sado-Maso-Spiel mit seinem Mörder über den Bühnenboden und erhielt den Todeskuss ausgerechnet von seiner geliebten Daisy. Im Publikum konnte der langjährige Koch des Modezaren kaum hinsehen, als Moshammers Musical-Tod nahte. "Ich kenne den Raum und jede Einzelheit, wie es passiert ist", sagte Herr Dindin sichtlich bewegt.

"Einiges hätte Moshammer sicher nicht gefallen"

Der Indonesier hatte den Modemacher die letzten Jahre seines Lebens bekocht und war von "Daisy's König" begeistert. "Die Beziehung von Moshammer zu seiner Mutter war sehr gut wiedergegeben, und auch die Musik hätte so in seiner Boutique in der Maximilianstraße oder der Grünwalder Villa gespielt werden können". Und Dindin gab auch einen Einblick in das Innenleben des Modezaren: "Einiges, was im Stück gezeigt wurde, hätte Moshammer sicher nicht gefallen, da er sich vieles an seiner eigenen Person nicht hat eingestehen können."

Die Anspielungen auf Moshammers Homosexualität stießen auch bei anderen Zuschauern nicht nur auf Verständnis. "Das Stück ist mir etwas zu schrill und spricht wohl nur einen besonderen Kreis von Menschen an", sagte eine junge Frau. "Ach, was wäre ich ohne meine Münchner?", räsoniert Moshammer zu Beginn des Stücks - und am Ende des Abends mochte man es ihm gerne glauben. (tso/ddp)

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