Moskau : Dissident Sinowjew gestorben

Der russische Dichter und Querdenker Alexander Sinowjew ist tot. Er starb im Alter von 83 Jahren in Moskau an Krebs. Bekannt wurde er durch seine Ausbürgerung aus der Sowjetunion im Jahr 1978.

Moskau - Der sowjetische Dissident, Philosoph und Schriftsteller Alexander Sinowjew ist im Alter von 83 Jahren in Moskau gestorben. Das teilte die staatliche Lomonossow-Universität in der russischen Hauptstadt am Donnerstag mit. Der Kritiker des Kommunismus hatte mehr als 20 Jahre in München gelebt, nachdem er 1978 von der Sowjetmacht ausgebürgert worden war. Sinowjew starb am Mittwochabend an Krebs. «Er war der letzte aus der alten Garde unserer Philosophen», würdigten Weggefährten den Toten.

Sinowjew genoss den Ruf eines provozierenden Querdenkers. Er hatte als Jugendlicher 1939 den Stalin-Kult kritisiert und wurde deshalb in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. 1940 meldete er sich zur Roten Armee und wurde Kampfflieger. Mit Kriegsorden ausgezeichnet durfte Sinowjew nach dem Krieg weiter studieren und promovierte in den 1950er Jahren mit einer Dissertation über die Philosophie von Karl Marx. Später bezeichnete die Sowjetmacht alle seine wissenschaftlichen Arbeiten als wertlos.

Im Westen wurde Sinowjew bekannt durch sein Buch «Gähnende Höhen», eine Abrechnung mit dem totalitären System des Kommunismus. 1994 kehrte Sinowjew fast zeitgleich mit dem Literatur-Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn («Der Archipel Gulag», 1974 ausgebürgert) erstmals wieder nach Russland zurück. Fünf Jahre später verließ Sinowjew sein Münchner Exil auf Dauer und zog nach Moskau. (tso/dpa)

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