Mozart im Konzerthaus : Sturz ins Abenteuer

Die Klassikstars Alina Ibragimova und Nils Mönkemeyer sind mehr an der Musik als der Performance interessiert. Mit dem Konzerthausorchester spielen sie Mozart, Sibelius und Gade.

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Der Bratschist Nils Mönkemeyer
Der Bratschist Nils MönkemeyerFoto: Irene Zandel

Von der russischen Geigerin Alina Ibragimova hört man seit Jahren Wunderdinge, und Nils Mönkemeyer gehört zur kleinen Gruppe der Bratscher, die man in der Klassikwelt als Stars bezeichnet. In ihrer Interpretation von Mozarts „Sinfonia concertante“ im Konzerthaus zeigen sie sich als Künstler, die gut zuhören und erzählen können, im musikalischen Gespräch ohne jede Platitude auskommen und vermeintlich längst Bekanntes so vor Ohren führen, dass man es zum ersten Mal richtig zu verstehen glaubt.

Gerade im Hinblick auf die Intonation des verteufelt schwierigen Werks gelingt gar nicht alles ganz perfekt; aber nach kleinen Missgeschicken stürzen sich Ibragimova und Mönkemeyer, mehr an der Musik als ihrer eigenen Performance interessiert, unbeirrt in die Suche nach dem nächsten Abenteuer.

Originelle formale Einfälle

Das Konzerthausorchester assistiert, nach einer holprigen „Don Giovanni“-Ouvertüre zum Auftakt, sehr konzentriert und lässt sich von den in Artikulation wie Tempogestaltung ungewöhnlich flexibel agierenden Solisten schön mitreißen. Unter der Leitung von Michael Schønwandt, Chefdirigent des Ensembles zwischen 1992 und 1998, gibt es in der zweiten Konzerthälfte nordische Musik: Sibelius’ unbestreitbar intensive, streckenweise aber amorph wirkende symphonische Dichtung „Pohjolas Tochter“ und die 1. Symphonie von Schønwandts dänischem Landsmann Niels Wilhelm Gade, einem von Schumann und Mendelssohn geschätzten und geförderten Komponisten.

Das schwungvolle Jugendwerk besticht durch originelle formale Einfälle, wie im ersten Satz, dessen langsame Einleitung später wiederaufgenommen wird. Oder im dritten Satz, in dem Gade die traditionelle Zweiteilung in ein lebendiges Wechselspiel zwischen Scherzo- und Trio-Teil auflöst. Gerade im Finale überwiegt doch der Eindruck, dass der überschaubare gedankliche Gehalt dieser Musik mit etwas zu vielen Ausrufungszeichen versehen wurde. Schønwandt liegt Gade, dessen 200. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird, erkennbar am Herzen. Das Konzerthausorchester spielt tonschön und mit Leidenschaft, im langsamen Satz sind hinreißende Holzbläser- und Cello-Soli zu vernehmen.

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