Kultur : Mozart-Lichter

ISABEL HERZFELD

Die Sing-Akademie zu Berlin mit jungen Solisten in der PhilharmonieVON ISABEL HERZFELDDas hätte wieder einer dieser routiniert abgespulten, in keiner Hinsicht aufregenden Abende werden können.Ohne Fehl und Tadel versah die Sing-Akademie zu Berlin unter ihrem bewährten Leiter Hans Hilsdorf den Chorpart der Kantate "Regina coeli" und der Krönungsmesse von Mozart.Die Stimmen entfalteten aber wenig persönlichen Glanz und wirkten im weiten Rund der schwach besetzten Philharmonie manchmal auch etwas verloren.Dafür hatte Hilsdorf jedoch interessante Solisten mitgebracht, allen voran die Pianistin Mirabela Dina.Mit welcher Ruhe, Reife und Gelassenheit die 22jährige Rumänin, Gewinnerin des Mendelssohn-Wettbewerbs der HdK, Mozarts "Krönungskonzert" KV 537 anfaßt, macht sie zum Lichtblick innerhalb der langen Reihe ehrgeiziger, aber meist unausgegorener oder schlicht nichtssagender Newcomer.Bestechend zunächst der Anschlag, gesund und klar, von üppiger Leuchtkraft.Die üblichen Mätzchen, verzärtelnde Rubati oder filigraner Glitzerkram, sind nicht nötig.Von entwaffnender Schlichtheit, einer traumhaften Naivität ist so das zügige Larghetto, in dem Nuancen umso mehr überraschen, etwa die geschmeidige Tonleiter zum Schluß.Spontan wirkt dieses lebendige Spiel, das doch sehr genau den Strukturen nachspürt, was sich auch in der klangvoll artikulierenden linken Hand ausdrückt.Mit den sensibel unterstützenden Musikern vom Deutschen Symphonie-Orchester kann die Pianistin so in eng verzahnte motivische Zwiesprache treten.Ein in seinen Kühnheiten freigelegter Mozart, zu dem einem sonst nur noch der Landsmann Lipatti einfällt.Aufhorchen ließ auch die Sopranistin Catherine Cangiano.Die zierliche Stimme der Amerikanerin ist mit engem Vibrato zwar nicht immer ganz stabil, doch imponierte sie wiederum durch jugendliche Geschlossenheit und zarte, beseelte Töne.Eine Pamina-Stimme, die aber auch zu funkelnd genauer Koloratur fähig ist.In der "Krönungsmesse" fand sie mit der warmen und vollen Altstimme von Ulrike Helzel und der weniger spektakulären Grundierung durch Hartmut Kühn und Josef Becker zu perfekter Balance.

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