Kultur : Mozart modern

ECKART SCHWINGER

Der vielgelobte Amsterdamer "Ring"-Dirigent ist glücklicherweise auch mal wieder nach Berlin gekommen, um mit "seinem" Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach einen Mozart-Abend in der kleinen Philharmonie zu bestreiten.Das glänzende Konzert im fast ausverkauften Kammermusiksaal bewies erneut, daß Hartmut Haenchen ein überaus flexibler, feinspüriger und auch scharfsinniger Dirigent ist.Sogleich bei dem D-Dur-Divertimento KV 205 präsentierte er bei allen poetischen Einfärbungen, bei aller Nuancierungskunst einen überraschend modern wirkenden Mozart mit einem provozierend drastischen Klangstil, mit saftigen Kontrasten und Kapriolen.Das nach dem Berliner Bach benannte Kammerorchester erwies sich wieder als ein Spitzenensemble mit einer hochmusikalischen Phrasierung, einer sinnreichen, bis auf den I-Punkt sicher ausbalancierten Artikulation und lückenlosen klanglichen Geschlossenheit.Haenchen förderte auch in der scharf ausformulierten langsamen Einleitung zur "Linzer Sinfonie" in C-Dur KV 425 einen hautnah zu verspürenden Spannungsreichtum, eine bestechende rhetorische Prägnanz zutage.Da fesselten auch in den fugenlos aufgebauten Sätzen die urplötzlich hereinbrechenden Umschwünge und heftigen dramatischen Steigerungen, die hart aufeinanderprallenden Klangcharaktere im Allegro spiritoso, die angriffsfreudigen Zuspitzungen der Bläser und Pauken, der betont sarkastische Spielwitz.Die kühne Schlußsteigerung im bravourös prasselnden Presto riß das Publikum förmlich vom Sitz.Erregender kann auch eine Beethoven-Sinfonie nicht wirken.Der 28jährige bulgarische Violinvirtuose Vesko Eschkenazy spielte das A-Dur-Konzert KV 425 zwar nicht in spektakulärer Form, aber mit außergewöhnlich schöner, nachgerade südländisch leichter Musikalität.Er nahm durch die hellschimmernder, seidige Kantabilität seines Mozartspiels für sich ein.

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