Kultur : Mozartkugelnett

UWE FRIEDRICH

Wer viel Geld für ein Markenwaschmittel ausgibt, den interessiert nicht, ob das Discountangebot vielleicht billiger und besser ist.Er will nur, daß seine Wäsche genauso riecht wie in glücklichen Kindertagen.Ähnlich verhält es sich mit den Wiener Philharmonikern.Hier klingt Mozarts 40.Symphonie noch immer genauso, wie sie vor vierzig Jahren geklungen hat, also etwas langweiliger als in der Sektwerbung.Natürlich könnten die Wiener diese Symphonie auch ohne Dirigenten spielen, aber da Lorin Maazel vom Orchester nichts Unmögliches verlangt, folgen die Musiker ihm gerne, und er kann das gesamte Pultlöwenrepertoire abspulen: vom unbewegten Beweger über die herrische Geste bis zum aufmunternden Zulächeln an einzelne Instrumentengruppen.Die Musik klingt dabei so hübsch, so mozartkugelnett, daß dem Sitznachbarn zwischen den Sätzen ein "Wunderbar!" entfährt.Recht hat er.Spannend, interessant, gar aufregend ist das freilich nicht.Aber wer geht schon zu den Wienern, um sich aufzuregen?

Nach der Pause stand noch Bruckners Siebte Symphonie auf dem Programm, und wahrscheinlich könnte das Orchester sogar dieses Werk auf Zunicken des Konzertmeisters spielen.Maazel weiß das natürlich und hat seine Freude daran, diese Luxusmaschine schnurren zu lassen.Allerdings zerfällt ihm die Symphonie darüber in viele "schöne Stellen", die nur lose zusammengehalten werden.Von einer Interpretation kann kaum die Rede sein, alle Beteiligten zeigen lediglich, daß sie ihr Handwerk beherrschen.

Über den Streichklang der Wiener Philharmoniker läßt sich nichts Neues sagen, er ist schlicht sensationell - ebenso schön und selbstverständlich wie der vertraute Geruch des Waschmittels.Die Bläser hingegen zeigen überraschende Schärfen und deutliche Intonationsschwächen.Besonders Klarinetten und Hörner spielen derzeit weit unter Weltniveau.Zweitausend markentreue Hörer feierten dennoch ihre Wiener Philharmoniker.Da weiß man, was man hat.

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