Kultur : Mr. Ping und Mrs. Pong

Silvia Hallensleben

geht bei kinofernen Künsten fremd Zauberei, Piano–Geklimper und Känguruboxen: Seit seinen Jahrmarktstagen verbündete sich das Kino gerne mit anderen Künsten, um das Publikum vor die Leinwand zu locken. Im Trend der Zeit war es sowieso. So überrascht es nicht, dass fast ohne Verzögerung eine Mode in den Film Einzug fand, die – frisch aus der Neuen Welt importiert – die Salons und Tanzböden des alten Europa infizierte. Schon 1913 hatte Max Macks Die Tangokönigin schon alles, was das Gerne noch bei „Dirty Dancing“ bestimmt, auch wenn die Trainer Tanzmeister heißen und die Helden Ferdinand und Fräulein Mie (Hanni Weisse): einen Wettbewerb, hartes Training und verwirrende Intrigen. Im nach der Sommerpause mit einer Tango-Reihe wiedereröffneten Zeughaus-Kino ist der Film am Sonnabend zu sehen. Begleitet wird live und authentisch von Peter Reil auf dem Bandoneon.

Tanz, Musik, Drama: Die Verbindung von hoher Literatur und Kino hatte auch unschöne Folgen, wie mancher steif-opulente Europudding beweist. Gleich zwei literarische Großköche (und mit Hanns Eisler ein Meisterkomponist) haben an Raymond Rouleaus Die Hexen von Salem (1957) herumgebastelt, der ab Sonnabend im Blow Up zu sehen ist – das Ergebnis funktioniert dennoch ohne langatmige Worthuberei. Einerseits ist dies ein Verdienst des Darstellerdoppels Simone Signoret/Yves Montand, die dem Stoff zeitlose Transparenz verleihen. Doch auch Jean-Paul Sartre und Arthur Miller (der sein Stück „The Crucible“ 1996 noch einmal für die Leinwand adaptierte) sind Meister der Dramaturgie. Die Bezüge von Millers späterem Klassiker zur US-Realität waren damals noch so brisant, dass Elia Kazan die Regie verweigerte. So entstand der Film mit belgischem Regisseur bei der Defa in französischer Koproduktion.

Ein ganzer Roman diente als Vorlage für eine andere Defa-Koproduktion, die zwar mit dem großen Bruder im Osten produziert wurde, es aber im eigenen Land 1971 nicht leicht hatte. Stoff von Goya sind die existenziellen Konflikte zwischen Macht und Künstlerleben – und selbstverständlich die Malerei. Wohl als Folge der kürzlich eröffneten Goya-Ausstellung gibt es diese Woche gleich zwei Versionen von Konrad Wolfs ebenso sinnlicher wie psychologisch und historisch ausgefeilter Adaption von Feuchtwangers Künstlerporträt im Kino zu sehen. Während das Babylon-Mitte dem Film (Freitag, Samstag, Montag und Mittwoch) in einer englisch untertitelten Fassung zeigt, ist er am Sonntag zur Matinee im Delphi als 70mm-Kopie zu sehen.

Ist auch Sport Kunst? Im Sinne des frühen Kinos sicher. Im letztjährigen Berlinale-Forumsfilm Mongolian Ping Pong , der am Mittwoch im Rahmen der „Sommerberlinale“ im Freiluftkino Friedrichshain zu sehen ist, bleibt die konkrete Ausführung allerdings mysteriöse Leerstelle: Schließlich wissen die Jungs einfach nicht, was sie mit dem gefundenen unidentifizierten weißen Rundobjekt anfangen sollen. Der mongolische Steppenfilm mit – mitunter gar weinenden – Kamelen und wortkargen Kindern ist mittlerweile fast zum eigenen Genre geworden. In Ning Haos Version wirkt der freundlich-skurrile Humor ein bisschen sehr aufs fernwestliche Festivalpublikum kalkuliert: für einen kühlen Augustabend aber genau der richtig erwärmende Stoff.

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