Update

Mülheimer Dramatikerpreis : Publikumspreis geht an Yael Ronen

Der Mülheimer Dramatikerpreis geht an den österreichischen Autor Ewald Palmetshofer, für sein Stück "die unverheiratete". Den Publikumspreis gewinnt Yael Ronen für ein Projekt am Maxim Gorki Theater Berlin.

Patrick Wildermann
Gemeinsam sind wir weniger schutzlos. Ensemble-Szene aus „Common Ground“.
Gemeinsam sind wir weniger schutzlos. Ensemble-Szene aus „Common Ground“.Foto: Thomas Aurin

Die Figuren in diesem Stück heißen „Die Alte“, „Die Mittlere“ und „Die Junge“. Drei Frauen, drei Generationen, die verbunden sind durch eine Schuld. Großmama hat sie in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs auf sich geladen, als Denunziantin eines Deserteurs. Das ist die Ausgangslage des Stücks „die unverheiratete“, mit dem Ewald Palmetshofer, der 1978 im Mühlviertel in Oberösterreich geboren wurde, nun den Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen hat. Bei der 40. Ausgabe der dortigen Theatertage –- noch immer die wichtigste Plattform für zeitgenössische deutschsprachige Dramatik.
Palmetshofer, schon 2008 mit „hamlet ist tot. keine schwerkraft“ in Mülheim vertreten, hat für "die unverheiratete" einen realen Fall recherchiert und ihn zur sprachmächtig mäandernden Sühnefabel überhöht, mit Links zur antiken Tragödie. Die Atriden mit ihren Elektra- und Co-Komplexen spuken durch diese Familien-Saga, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart springt und die verhängnisvolle Tat der "Alten" erst im letzten Drittel enthüllt. Der Autor verwebe virtuos mehrere Erinnerungsebenen, befand die fünfköpfige Jury, der auch Tagesspiegel-Mitarbeiterin Christine Wahl angehörte.
Bei Palmetshofer rauscht unter dem Erzählstrom stets noch eine andere Geschichte mit. Gerne auch Theaterhistorie, wie bei „Faust hat Hunger und verschluckt sich an einer Grete“. Ein Postdramatiker, mit Talent fürs herausfordende WortSpiel. So ist auch „die unverheiratete“ eine furios komponierte Zumutung – in ihrem eigentümlichen Kunstidiom der wegbrechenden Sätze so bestürmend wie ermüdend und immer mal selbstreflexiv zwinkernd („Ich umarme meine Großmutter und die Postmoderne umarmt mich zurück“). Dass dies auf der Bühne - im günstigsten Fall zumindest - lebendig aufgehen kann, ließ sich kürzlich in Berlin verfolgen: Robert Borgmanns Uraufführungsinzenierung am Wiener Burgtheater gastierte kurz vor Mülheim hier beim Theatertreffen, mit den großartigen Schauspielerinnen Elisabeth Orth, Christiane von Poelnitz und Stefanie Reinsperger.

Die Entscheidung, den mit 15.000 Euro dotierten Preis an den jungen Österreicher zu vergeben, ist jedenfalls nachvollziehbar. Auch wenn mit Wolfram Lotz („Die lächerliche Finsternis“) ein starker Konkurrent im Rennen war. Ebenso mit Yael Ronen & Ensemble, die für das Recherche-Kriegsprojekt „Common Ground“ am Gorki-Theater den Publikumspreis gewannen.

Palmetshofers Solitärstatus bleibt ja unbestritten. Was der Autor sprachlich wage, so die Jury, sei „nicht modisch“. Ein berechtigtes Lob.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben