Kultur : Münchner Bühnen: Nach links? Nach rechts?

Mirko Weber

Nun also Schwamm drüber. Es scheint wirklich nicht mehr der leiseste Anflug von Beleidigtsein vorhanden zu sein, weil der andere (Frank Baumbauer, vormals Deutsches Schauspielhaus, Hamburg) geworden ist, was der eine (Dieter Dorn, vormals Kammerspiele, München) gerne auf ewig geblieben wäre. Keine Leberwurstmienen mehr, sondern Zuversicht links und rechts der Maximilianstraße, wenn dieser Tage über die Theaterpläne in den jeweiligen neuen Häusern gesprochen wird. Dieter Dorn übernimmt seine Bühne in bestens renoviertem Zustand und kann im Residenztheater gleich das tun, was er am liebsten macht: Nägel mit Köpfen, also Shakespeares "Kaufmann von Venedig", mit Sibylle Canonica, Rolf Boysen und Thomas Holtzmann, Premiere wird am 12. Oktober sein. Dorn bleibt Dorn, das Abo-Publikum das Abo-Publikum und Qualität wird Qualität bleiben, früher rechts, heute links.

Rechts allerdings, in den Kammerspielen, vollzieht sich mit dem Einzug des gebürtigen Münchners und neuen Intendanten Frank Baumbauer wirklich etwas Neues, auch wenn sich der Spielplan teilweise so liest, als stamme er von Dieter Dorn. Baumbauer huldigt dem Geist des Hauses mit einer Achternbusch-Uraufführung ("Daphne von Andechs", 24. Oktober), und zeigt danach "Schlachten!", Shakespeares Rosenkriege in der Einrichtung von Luk Perceval. Weil die Kammerspiele noch über ein Jahr eine Baustelle bleiben, muss sich der neue Chef aufs Improvisieren einrichten: Erstmal kann er nur mit zwei kleinen Bühnen und einer auswärts gelegenen Halle arbeiten. So mischt Baumbauer mit einem im Aufbau begriffenen Ensemble einiges aus Salzburg ("Macbeth", Regie: Calixzo Bieito), mit einigem aus seiner Hamburger Zeit (Elfriede Jelineks "Wolken. Heim", dazu Abende von Franz Wittenbrink). Erstmals wird Christoph Marthaler in München inszenieren, eine Uraufführung: Jelineks "In den Alpen". Dazu Nachgelassenes von Sarah Cane ("4.48 Psychose") und Neueres von Jon Fosse. Und: Euripides, Büchner, Ostermaier, Koltés. Nach einem wegen Umbauten und Abschieden zwangsläufig matten letzten Schauspiel-Jahr in München wird man sich in der neuen Saison vor guten Angeboten kaum retten können.

Heute rechts, morgen links: zu Elmar Goerdens Handke-Inszenierung "Das Spiel vom Fragen" zum Beispiel. Dritter im Hausregisseursbund bei Dieter Dorn ist Thomas Langhoff, er soll Strindbergs "Vater" mit Cornelia Froboess und Lambert Hamel in Szene setzen. Sonst stehen fast nur zeitgenössische Autoren auf dem Spielplan, neben Handke Botho Strauß, Roland Schimmelpfennig, Don de Lillo und Yasmina Reza. Aber auch die Freunde alter Kammerspiele-Klassiker unter Dieter Dorn kommen mit ihm an neuer Stätte noch einmal auf ihre Kosten. Von rechts nach links wandern über die Maximilianstraße die Alt-Inszenierungen "Tasso", "Theatermacher", "Weltverbesserer" und "Amphitryon".

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