Münchner Kunstschatz : Gurlitt soll 310 Werke zurückbekommen

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird Cornelius Gurlitt Hunderte Bilder zurückerhalten, die zweifelsfrei ihm gehören. Der Zentralrat der Juden hält das allerdings für den falschen Weg - bei Fällen von möglicher Raubkunst sei Sensibilität gefragt.

Einige der Werke, die 2012 in Gurlitts Wohnung beschlagnahmt wurden.
Einige der Werke, die 2012 in Gurlitts Wohnung beschlagnahmt wurden.Foto: dpa

Der Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt soll einem Medienbericht zufolge rund 300 Bilder aus dem Münchner Kunstschatz zurückbekommen. Die Staatsanwaltschaft Augsburg geht davon aus, dass die Überprüfung der beschlagnahmten Werke spätestens kommende Woche abgeschlossen sein wird, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. „Es werden wohl circa 310 Gemälde sein, die zweifelsfrei Eigentum des Beschuldigten sind“, sagte Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Kunstschatz im Frühjahr 2012 in Gurlitts Münchner Wohnung beschlagnahmt, darunter viele Werke der klassischen Moderne.

Zwei Wochen nach Bekanntgabe des Fundes hatte die Behörde am Dienstag erklärt, sie wolle Gurlitt Hunderte Bilder zurückgeben - allerdings nur Kunstwerke, die nicht im Verdacht der NS-Raubkunst und zweifelsfrei im Eigentum des 80-Jährigen stehen.

„Nachdem die ganze Sache über 18 Monate hinweg fast konspirativ behandelt wurde, ist nun der Schnellschuss einer pauschalen Rückgabe sicher auch der falsche Weg“, kritisierte der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann. Bei Fällen von möglicher Raubkunst seien Sensibilität und Verantwortung gefragt, es gehe „nicht nur um den Rechtsanspruch auf Restitution“. Die Sache besitze auch eine „moralische und historische Dimension“. Es liege nun in der Verantwortung der Politik, „den Opfern von damals zur Würde von heute zu verhelfen“. Der Jüdische Weltkongress hatte zuvor eine Änderung der Verjährungsfristen gefordert, um die Rückgabe von NS-Raubkunst zu erleichtern.

Die von der Bundesregierung geschaffene Expertenkommission zur Aufklärung des Bilderfunds will auf Gurlitt zugehen. „Transparenz und Aufarbeitung sind jetzt das Vordringlichste“, sagte die Leiterin der Taskforce, Ingeborg Berggreen-Merkel. „Außerdem suchen wir mit Herrn Gurlitt das Gespräch, um mit ihm gemeinsam konstruktive Lösungen zu erarbeiten.“ Es sei auch in seinem Sinne, wenn er erfahre, welche seiner Werke eventuell als NS-Raubkunst belastet seien.

Die Experten-Gruppe wurde vom Bund und dem Freistaat Bayern eingesetzt. Sie soll herausfinden, bei welchen Kunstwerken aus Gurlitts Schwabinger Wohnung es sich um NS-Raubkunst handelt - möglicherweise sind es 590.

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