Kultur : Multikulturelle Gesellschaft: Schluss mit lustig?

Mit der "multikulturellen Gesellschaft" und mit der "Spaßgesellschaft" ist es jetzt endgültig vorbei. So lautet der Grundton des konservativen Feuilletons in diesen Tagen. Es sei falsch gewesen, fremde Kulturen grundsätzlich als Bereicherung zu empfinden und niemals als Bedrohung, heißt es düster. Wir haben den Hedonismus zur Staatsraison erhoben, und dafür werden wir jetzt bestraft! Eine erstaunliche Schlussfolgerung. Wogegen richtet sich der Hass der radikalen Islamisten denn? Gegen die Vermischung der Kulturen, gegen das Fremde, gegen den Verlust der eigenen Traditionen. Die Islamisten sind weiß Gott die erbittertsten Feinde des Multikulturellen, die es gibt, Feinde der "Spaßgesellschaft" und des Hedonismus sind sie natürlich erst recht. Man muss nur einmal versuchen, sich einen fundamentalistischen Humoristen vorzustellen, oder einen radikalen Islamisten auf dem Surfbrett: Es geht nicht.

Die radikalen Islamisten sind Bilder- und Maschinenstürmer. Sie wollen die Welt in ihrem Lauf aufhalten, aber auch das geht nicht. Denn die Vermischung der Kulturen und die Entstehung unserer Freizeitindustrie sind nicht etwa das Werk linker Romantiker. Die Vermischung der Kulturen ist eine Folge des Weltmarktes. Ein modernes kapitalistisches Land muss sich seine Kunden und seine Arbeitskräfte überall auf dem Globus suchen, es kann sich gar nicht abschotten, selbst wenn es wollte, denn dann würde das System zusammenbrechen. Feindbild Nummer eins sind für die Fundamentalisten nicht zufällig die USA, das Mutterland der Spaßgesellschaft, das Land der tausend Kulturen. Ein Land, in dem der Präsident, ein Konservativer, in einer solchen Situation demonstrativ die islamischen Amerikaner gegen pauschale Verdächtigungen in Schutz nimmt.

Wir müssen misstrauischer werden, das stimmt. Das Bild des Westens wird sich verändern, nicht nur auf den Flughäfen wird es in Zukunft strenger zugehen. Im Umgang mit Fanatikern ist Liberalität die falsche Haltung. Aber das, was wir sind, wollen wir bleiben. Sogar die Hedonisten und die Spaßvögel sollen bleiben, was sie sind. Denn im Umgang mit den radikalen Islamisten gilt die gleiche Regel, die im Umgang mit den kriegerischen Ideologien des 20. Jahrhunderts gegolten hat: Dem Gegner, den man bekämpft, darf man nicht ähnlich werden. Sonst hätte der Kampf keinen Sinn mehr.

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