Kultur : Multimediales Kunstprojekt: Motorenlieder

Carsten Niemann

Sie haben eine große Fallhöhe, hochästhetische multimediale Kunstprojekte wie dieses. Dabei ist die Idee zu Gisela Weimanns "Oper für 4 Busse" nicht ohne Reiz: vier BVG-Busse, von innen und außen streifenweise mit Spiegeln beklebt, fahren durch die Neue Mitte von Berlin; die Lichter der Großstadt schaffen reizvolle Spiegelungen und Reflexionen, während ein internationales Künstlerteam die alltägliche Situation einer Busfahrt mit Text- und Klangcollagen vollends in einen absurden Traum verwandelt. Die Wirklichkeit des Traums sah anders aus und lachte sich in Gestalt von Bier trinkenden Jugendlichen vor der Starthaltestelle Altes Musem erstmal scheckig über die in der Tat albernen klobigen Kugeln auf den Köpfen der Ausführenden. Steigende Spannung in der Sicherheit des Businneren beim "Motorenlied": Anlass- und Schaltgeräusche, die der Komponist Georg Katzer elektronisch verfremdet hatte.

Doch als die echten Busmotoren nach so viel Gedröhn endlich real ansprangen, dann nur, um die Busse zuckelnd vier Mal durch die mit Bauzäunen und Containern vollgestopften Hinterhöfe von Altem Museum und Nationalgalerie zu karren. Die Langeweile des Ausblicks - von den offenen Mündern einiger Passanten abgesehen - förderte die Konzentration auf die Musik. Hier konnte man einige ästhetische Krumen aufpicken: einen schmatzenden Dialog zwischen Sopran und zwei Tuben aus einer Studie von Friedrich Schenker etwa.

Natalia Pschenitschnikowas Beitrag war etwas unkonzentriert in der Form, wagte mit der wirr von tätowierten Armen ablesenden Protagonistin aber wenigstens einen Bezug zur skurrilen Wirklichkeit großstädtisch-öffentlichen Nahverkehrs. Da dies jedoch der einzige Moment von nennenswerter szenischer Kraft blieb, möchte man der Installationskünstlerin Gisela Weimann raten, bei künftigen Projekten nicht am Regisseur zu sparen.

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