Kultur : Muschelklang

Das RSB gastiert mit Wiener Klassik im Schlüterhof

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Als das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin 2006 die Tradition der Schlüterhofkonzerte im Zeughaus reanimierte, zielte es auf den eher atmosphärischen Reiz des barocken Lichthofes. Den damals bemängelten Nachhall fing man mit einer eigens gebauten Konzertmuschel ein – und nun, im sechsten Jahrgang, klingt der Hof dumpf, die Holzbläser erahnt man nur in solistischen Passagen, die Streichergruppe zerfällt in Einzelstimmen.

Aber wie Marek Janowski sein RSB durch das durchaus gefällige Programm altgedienter Wiener Klassik führt, ist vor allem in den Haydn-Sinfonien 95 und 73 dann doch ein Vergnügen. Mit welch knapper Gestik er seine Musiker animiert, wie hochkonzentriert sie bei der Sache sind, das ist auch optisch beeindruckend. Die Rundfunk-Sinfoniker spielen mit solchem Eifer, so ganz ohne den bei Haydn üblichen Blattspieler-Hochmut, mit solchem Ernst und Witz, so neugierig und so genau, dass die Serenade zu einem Kunstgenuss wird. Ein guter Erzieher wie Janowski arbeitet eben auch eine Haydn-Sinfonie gewissenhaft; das Ergebnis ist eine vortreffliche Leichtigkeit und Transparenz, soweit der Raumklang dies zulässt.

Eher lieblos absolviert dafür Solohornist David Guerrier die Mozart’sche Es-Dur-Eulenspiegelei, deren Esprit im Dumpfen versickert. Und angesichts der miserablen Akustik kann auch ein Startenor wie Michael Schade nur verlieren. Manieriert widmet er sich zwei Arien aus Titus und Serail und holt sich noch eine Don-Ottavio-Zugabe aus dem Giovanni ab, aber auch sie gerät, leider, eher glatt denn ergreifend. Christian Schmidt

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