Musée des Arts décoratifs : Nach zehn Jahren Umbau wieder eröffnet

Das stilgeschichtliche Musée des Arts décoratifs in Paris zeigt Möbel und Gegenstände des täglichen Lebens vom Mittelalter bis heute. 1905 war die private Sammlung im Louvre-Palast ursprünglich eröffnet worden.

Paris - Italienische Hochzeitstruhen aus dem 13. Jahrhundert, Schränke aus der Zeit von Ludwig XV. und komplette Zimmer wie das hellbraune Bad der französischen Modeschöpferin Jeanne Lanvin (1867-1946): Seit wenigen Tagen ist wieder die komplette Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich. In den vergangenen zehn Jahren war das Museum wegen Renovierung geschlossen. Vor allem privaten Mäzenen aus dem In- und Ausland sei die Finanzierung der Restaurierung zu verdanken, sagt Kunsthistorikerin Ingrid Held vom Musée des Arts décoratifs. Auch die Ausstellungsstücke seien fast überwiegend private Schenkungen, Zukäufe würden meist von Privatiers bezahlt. In den vergangenen Jahren mussten die Exponate wegen des Umbaus im Depot lagern.

Rund 150.000 Stücke umfasst die Sammlung, etwa 5000 werden im Musée des Arts décoratifs auf 6000 Quadratmetern Fläche und auf mehreren Etagen ausgestellt. Neben Möbeln gehören Keramiken, Stoffe, Wandmalereien und Dekogegenstände dazu. Von der Gotik über Art Deco bis zur Moderne ist jede Stilrichtung und Bewegung vertreten. Gezeigt werden Arbeiten etwa des Architekten Le Corbusier (1887-1965), des Kunsttischlers André-Charles Boulle (1642-1732), aber auch der Bauhaus-Designer Marcel Breuer (1902-1981) und Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969). Die Exponate wurden in den vergangenen Jahren von mehr als 100 Experten restauriert.

"Wertvoll, selten und schön"

"Die Sammlungen sind nicht alle so bekannt, aber unglaublich wertvoll, selten und schön", schwärmt Held. So hätten die italienischen Hochzeitstruhen aus dem 13. Jahrhundert einen Millionenwert, weil es so wenig Mobiliar aus dieser Zeit gebe. Je nach Epoche sind die Exponate üppig verziert und bemalt und könnten durchaus auch im Schloss Versailles stehen, oder sie sind schlicht und mit geraden Formen, immer jedoch edel. "Wir Franzosen hängen sehr an Eleganz", sagt Held.

Elf so genannte Period Rooms rekonstruieren komplette Interieurs, zum Beispiel ein Esszimmer aus dem Jahr 1880 des Schweizer Art-Nouveau-Designers Eugène Grasset oder ein Büro aus dem Jahr 1925 mit Möbeln von Pierre Chareau. Mit dem 20. Jahrhundert wird das Musée des Arts décoratifs immer stärker zum Designmuseum. Ab den 40er Jahren wird der Besucher chronologisch durch die Jahrzehnte geleitet: von schrägen Stuhlkreationen der 70er über die schwarzen Möbel der 80er bis zum aktuellen nordischen Ikea-Stil.

Etwas aus der Reihe tanzt da fast die Spielzeugabteilung, in der Holzfiguren, Puppen und Stofftiere vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute ausgestellt sind. Denn auch die gehören zum "Spiegel der Gesellschaft", wie Held sagt. (tso/ddp)

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