Museen : Bangen oder Brüllen

Nicola Kuhn über die Angst der Museen vor neuen Sparmaßnahmen .

Nicola Kuhn über die Angst der Museen vor neuen Sparmaßnahmen

Für die Museen war es kein gutes Jahr. Ausstellungen mussten verschoben, Projekte abgesagt, Ankäufe endgültig ad acta gelegt werden. Doch es wird 2010 noch schlimmer. Die Haushaltsberatungen in den Kommunen geben einen Vorgeschmack darauf. Da wird die Einschränkung des Bibliothekenbetriebs, das Ende des Programms „Jedem Kind ein Instrument“, die Zusammenlegung von Theatern diskutiert, hier und dort auch schon die Schließung ganzer Museen. In Gütersloh stand das Stadtmuseum zur Disposition, in Gera das Ferbersche Haus als Sitz des Museums für Angewandte Kunst, in Offenbach das Dreieich-Museum – noch schrecken die Politiker vor dem letzten Schritt zurück.

Anfang 2009 war das Entsetzen groß, als aus Amerika die Kunde kam, dass dort nach dem Las Vegas Art Museum auch noch das renommierte Rose Museum in Boston abgewickelt wird, da die Brandeis-Universität als Träger die Sammlung, darunter Werke von Willem de Kooning, Jasper Johns und Andy Warhol, zur eigenen Rettung verscherbeln will. Inzwischen weiß man in der Hamburger Kunsthalle, wie sich das anfühlt. Der dortige Museumsdirektor musste sich vor Weihnachten des Ansinnens seines Stiftungsrates erwehren, bestimmte Bilder zumindest zur Sanierung des eigenen Hauses zu verkaufen.

Einen weiteren Warnschuss aus dem Westen gaben zum Jahresende die Pariser Museen ab. Sie streikten kurzerhand, nachdem Staatspräsident Sarkozy angekündigt hatte, dass im öffentlichen Dienst nur jede zweite Stelle von altersbedingt ausgeschiedenen Mitarbeitern wiederbesetzt werden solle. Binnen kürzester Zeit hätte sich das Personal des Centre Pompidou um die Hälfte reduziert. Aber auch der Louvre, die Museen in Versailles, das Musée d’Orsay und das Rodin-Museum streikten mit. In Deutschland halten sich die Museen bedeckt. Sie leiden und schweigen, begehren höchstens in Kulturausschüssen auf, damit ihre Etats nicht noch weiter abgeschmolzen werden.

Das könnte sich jetzt ändern. Der Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Martin Roth, warnte davor, dass der anhaltende Sparkurs der Politik zur Schließung ganzer Teile seiner Museen führen könne. Das tut weh, zumal in diesem Jahr das 450-jährige Bestehen dieser ältesten und bedeutendsten Sammlungen Europas gefeiert werden soll. Wie in kaum einer anderen Stadt ist das Selbstwertgefühl Dresdens mit dem Reichtum seiner Museen verknüpft. Und doch macht sich Roth, der seine Gelder vom Land bezieht und mit den Sparmaßnahmen des Kunstministeriums zu kämpfen hat, mehr noch für die städtischen Museen stark. „Wir Großen müssen hier Partei ergreifen für die Unbekannteren und Kleineren. Die Kleinen sterben leise,“ so Roth. Wenigstens hat ein Löwe gebrüllt.

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