Museen : Schlesisches Museum öffnet in Görlitz

Am Samstag wird in Deutschlands ältestem Renaissance-Haus das Schlesische Museum mit über 1.000 Exponaten auf 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche eröffnet. Die Aufbauzeit betrug 15 Jahre.

Görlitz - Als Krzystof Slabosz im polnischen Jaszkowa Gorna (Oberhannsdorf) vor drei Jahren die Dielen in seinem Wohnzimmer erneuerte, fand er einen alten Briefumschlag mit handgeschriebenen Notizen vom Juli 1940. Die ehemaligen deutschen Eigentümer des Hauses hatten die heimliche Botschaft für die Nachwelt hinterlassen. Darin drückte die Familie Groeger ihren Protest gegen den Krieg und den Nationalsozialismus aus. Der vergilbte Umschlag gehört zu den Exponaten des Schlesischen Museums, das nach 15 Jahren Aufbau an diesem Samstag (13. Mai) im Görlitzer Schönhof in Sachsen öffnet.

Er gehört zu 15 ausgesuchten und in einem Raum versammelten Stücken, wo Geschichten aus der wechselvollen Geschichte Schlesiens erzählt werden. Auf Knopfdruck können sich Besucher die Episode der unter Holzdielen versteckten Nachricht in der Ausstellung anhören. Für Museumsdirektor Markus Bauer ist es auch deshalb eine besonders schöne Geschichte, weil Mitarbeiter die Verfasser der Botschaft ausfindig machen und Kontakt zu deren Enkelkindern im Ruhrgebiet herstellen konnten.

Die Dauerausstellung wurde auf rund 2000 Quadratmetern im ältesten Renaissancebürgerhaus Deutschlands eingerichtet. Der Rundgang führt chronologisch durch neun Jahrhunderte vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Texte in deutscher und polnischer Sprache begleiten die Besucher durch das Haus. Bauer war es dabei wichtig, «das verwirrende Hin und Her» in der politischen Staatsangehörigkeit Schlesiens gleich am Anfang aufzuklären. Auf einem Monitor lässt sich daher abrufen, wann der Landstrich zu Polen, zum Königreich Böhmen, zu Preußen und zum Deutschen Reich gehörte. Heute liegt dieser überwiegend in Polen.

Das schwierige Thema Vertreibung mussten Bauer und seine Mitarbeiter auf etwa 20 Quadratmetern unterbringen. Dabei lag ihnen nichts an einer breiten detailreichen Erzählung mit sentimentalen Erinnerungen. Weder eine Heimatstube noch eine Gedenkstätte sollte im Museum entstehen, sagt der Direktor. Es galt vielmehr, die Flucht der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg, die Ansiedlung polnischer Bewohner in Schlesien und das Schicksal der Vertriebenen in Ost- und Westdeutschland nüchtern und dokumentarisch darzustellen. Sparsam werden Exponate wie Fluchtkoffer oder Kleidungsstücke von Flüchtlingen eingesetzt, um die sachlichen Texte zu illustrieren.

Seit der Wiedervereinigung wurde das Schlesische Museum als zentraler Einrichtung für die Sammlung, Präsentation und Erforschung schlesischen Kulturguts in Deutschland aufgebaut. Die Sammlung wurde in kurzer Zeit mit großer Unterstützung des Bundes zusammengetragen, der aus anderen Museen den größten Teil seiner zum Thema erworbenen Exponate abzog. «Wir haben uns damit in Westdeutschland nicht nur Freunde gemacht», erzählt Bauer.

Schenkungen, Dauerleihgaben und Ankäufe vergrößerten den Fundus. 2002 erwarb das Museum mit der Privatsammlung von Hans Peter Reisse aus Kassel rund 2000 Objekte, die einen interessanten Zeitabschnitt der bis 1932 existierenden Kunstschule repräsentieren. Nun können Besucher im 1526 erbauten Schönhof auf Zeitreise durch schlesische Kultur und Geschichte gehen. (tso/dpa)

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