Museum Ballinstadt : Welt der Auswanderer wird lebendig

Der Weg der fünf Millionen Auswanderer, die zwischen 1850 und 1939 von Hamburg aus ihr Glück in Amerika suchten, soll im neuen Museum Ballinstadt nachgezeichnet werden.

Hamburg - Im Hamburger Stadtteil Veddel, am historischen Ort, wo der Generaldirektor der Reederei Hapag, Albert Ballin (1857-1918), eine eigene Stadt für die Auswanderer errichtete, wird am 4. Juli das neue Museum seine Pforten öffnen. Am Montag stellte die Betreibergesellschaft Leisureworkgroup ihr inhaltliches Konzept vor: ein originalgetreu rekonstruierter Wohn- und Schlafpavillon, eine Erlebniswelt vom Aufbruch in der Heimat bis zur Ankunft in New York und ein Familienforschungsbereich.

"Anhand einzelner Biografien sollen die Besucher vor allem etwas über die Wünsche und Sehnsüchte der Auswanderer erfahren", sagte Jens Nitschke, Geschäftsführer von Leisureworkgroup. Da ist der Journalist, der sich Pressefreiheit wünscht, die jüdische Familie, die vertrieben wurde und all die Menschen, die wegen Armut und Krieg ihre Heimat verließen. Ein Rundgang durch die Ausstellung führt die Besucher von der Situation in Europa über den Auswandererhafen Hamburg auf ein Schiff und nach Ellis Island in New York. "Die Besucher sollen sich fragen: Hätte ich genauso gehandelt?, Wäre ich auch ausgewandert?", sagte Nitschke.

Ausstellungsmacher wurden bei Auktionen fündig

Verwendet werden neben Requisiten Texte in deutsch und englisch, Audio- und Videomaterial. "So zeigen wir das Video einer alten Dame, die 1934 auswandern wollte, sich aber an Bord des Schiffes in den Steward verliebte und wieder nach Berlin zurückkehrte", sagte Nitschke. Die Originalausstellungsstücke wie Koffer, Broschüren der Einwandererländer und Reiselisten fanden die Ausstellungsmacher vor allem in Übersee, bei Auktionen und in Archiven. Die Geschichten hat die Historikerin Ulrike Wöst auch in Briefen gefunden. "Am Ende treffen wir die Protagonisten der Reise wieder und fragen nach, ob sie erreicht haben, was sie sich wünschten", sagte Nitschke. Nicht alle dürften so erfolgreich gewesen sein wie der Jeanshersteller Levi Strauss oder der Ketchup-Hersteller Heinz, die ihre Wurzeln in Deutschland haben. (tso/dpa)

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