"Museum der Unerhörten Dinge" in Berlin : Was die Welt zusammenhält

Plastikküken in einer transparenten Box, das Fernrohr, mit dem Kolumbus Amerika entdeckte oder Hamburger Speck: Das Museum der Unerhörten Dinge in Berlin-Schöneberg bietet Kuriositäten aller Art.

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Blick ins Depot des Museums der Unerhörten Dinge.
Blick ins Depot des Museums der Unerhörten Dinge.Foto: Privat/Roland Albrecht

Weltsensation! Geografie, Philosophie und Kultur müssen neu geschrieben werden. Endlich ist entdeckt, was die Welt im Innersten zusammenhält. Bei Hietamäki im Südwesten Finnlands wurde erstmalig der Kreuzungspunkt eines Längen- und Breitengrades freigelegt. Der Punkt lag etwa einen Meter tief in der Erde. Und der grüne Längengrad und rote Breitengrad ließen sich von den nach eigenen Angaben unter Anleitung von Archäologen grabenden Berliner Künstlern Ka Bomhardt, Angela Lubic und Oliver Oefelein mit bloßem Auge unterscheiden. Auskunft über ihre frisch entdeckten und sorgfältig auf Video dokumentierten Wahrheiten der Weltvermessung gaben die Künstler am gestrigen Sonntag um 17 Uhr im Museum der Unerhörten Dinge in Schöneberg.

Nirgendwo anders als hier in der Crellestraße 5 gleich neben dem schwäbischen Spezialitätenladen Ebbes gehören Erstaunlichkeiten dieser Art vorgetragen. Widmet sich doch Museumsdirektor Roland Albrecht in seinem kleinen Laden unter der freigelegten Wandbemalung „An Gottes Segen ist alles gelegen“ schon seit nunmehr fünfzehn Jahren der Kunst, Gegenständen ihre glamourösen Geheimnisse abzulauschen.

Die wiederum werden – so banal sie erst mal auch wirken mögen – seit Marcel Duchamps schon durch die Präsentation zur Kunst. So wie das Spiralozebulon. Ein Gerät, das Hohlräume im Erdreich aufspürt. Oder der Richtungshaken, ein Werkzeug zur Bestimmung der Richtung von Meridianen. Grobe Gemüter sehen rostiges Metall und drauf gelötete Glasvasen, der 64 Jahre alte Ex-Memminger Albrecht aber erkennt ihr wahres Wesen und schreibt auch gleich noch eine schöne Geschichte, äh, einen wissenschaftlichen Text dazu, wie sich das im Museum so gehört.

Das Fernrohr, mit dem Kolumbus Amerika entdeckte

Im hinter dem Schauraum gelegenen Depot hortet der Herr, der ein Seelenverwandter von Karl Valentin ist, 300 Dinge, die ihre Geschichte noch für sich behalten. Von den 80 mit einer schönen Legende versehenen haben es auch etliche in sein im Wagenbach-Verlag erschienenes Buch zum Museum geschafft. Noch zu deuten sind dagegen Plastikküken in einer transparenten Box, ein Lurchi-Buch, Hamburger Speck, Flohsamen, Kaisernatron, ein Wappen vom Titisee, eine versteinerte Kartoffel aus dem Wendland. Und kostbare Raritäten, wie das Fernrohr, mit dem Christoph Kolumbus Amerika entdeckte. Schon im Alter von zehn Jahren gelang es dem Künstler, Autor und Fotografen Albrecht, einem Schulkameraden das gute Stück abzuluchsen, wie er erzählt.

„Dieser Mann findet Antworten auf Fragen, die die Welt nicht kennt“, staunte einst die „Basler Zeitung“ über Albrecht und sein Kuriositätenkabinett, das kommende Woche nach der Jahresendpause wieder wie immer mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr geöffnet hat. Witzig, dass dieser Fakten und Fiktion locker zusammenwürfelnde Parodist Mitglied im seriösen Museumsverband ist.

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