Museum für asiatische Kunst : Gaukeln und Schummeln

„Die Kunst des Fälschens“ ist im Asiatischen Museum zu sehen. Es wird gezeigt, wie leicht Sammler und sogar Experten dem Kunstbetrug auf dem Leim gehen.

Jens Hinrichsen

Können diese Augen lügen? Er lächelt ein gewinnendes Lächeln, tanzt und trommelt angeblich als Alleinunterhalter für den Verstorbenen und ist doch leider nicht echt: Die chinesische „Grabfigur“ eines Gauklers steht im Mittelpunkt der Ausstellung über „Die Kunst des Fälschens“, die jetzt im Berliner Museum für asiatische Kunst zu sehen ist. Anhand von weiteren Kleinskulpturen, Keramiken, Malerei und Jadeschnitzereien aus China zeigt das Museum, wie leicht Sammler und sogar Experten dem Kunstbetrug auf den Leim gehen können.

Hand aufs Herz: Auch geschulte Betrachter brauchen Zeit, um aus vier angeblich im 3. Jahrtausend vor Christus gefertigten Tontöpfen die beiden höchstens 40 Jahre alten Schummelobjekte herauszufinden. Detektivspiel im Museum. Auch in der Tuschemalerei kann der Besucher „Original und Fälschung“ selbst unterscheiden lernen. Während Meister Yun Shouping (1633-1690) formvollendet eine Landschaft auf einen Fächer malte, entlarvt sich das getürkte Gegenstück durch ungelenke Schriftzeichen, mechanisch gemalte Gräser, eine ungeschickt in die Komposition eingefügte Signatur und minderwertige Tusche.

In Materialfragen sind Museen und Sammler auf technische Methoden angewiesen, die ebenfalls vorgestellt werden. So erwies erst das in den sechziger Jahren erfundene Thermolumineszenzverfahren zur Prüfung der Materialechtheit, dass es sich bei einer Reihe von „Huixian“-Kleinkeramiken in der ostasiatischen Sammlung um Fälschungen aus dem 20. Jahrhundert handelte. Peinlich: Ein ganzer Haufen wissenschaftlicher Thesen über „hochexpressive“ Grabbeigaben musste eingestampft werden.

Die anfangs erwähnte Gauklerfigur setzten die Fälscher klugerweise aus alten Keramikstücken zusammen. Erst das Röntgenbild enthüllte, dass die Figur innen hohl war. Um den Betrachtern zu demonstrieren, dass auch falsche Kunst viel Arbeit macht, wurde der Trommler zur Hälfte auseinandergenommen: Wahrlich raffinierte Gaukelei. Jens Hinrichsen

Museum für asiatische Kunst, Lansstr. 8, bis 24. März, Di-So 10-18 Uhr.

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