Kultur : Museum of Modern Art Berlin

Wie sich New York 2004 in der Neuen Nationalgalerie präsentiert

Bernhard Schulz

Des Jubelns war kein Ende, als gestern die Chefs von Nationalgalerie und Museum of Modern Art die geplante Ausstellung „MoMA in Berlin. Meisterwerke aus dem Museum of Modern Art, New York“ vorstellten. „Freundschaft schafft Möglichkeiten“, beschrieb MoMA-Chef Glenn Lowry sein Verhältnis zum Berliner Nationalgalerie-Direktor (und zugleich Museums-General) Peter-Klaus Schuster. Nur so sei es möglich geworden, 200 Meisterwerke des New Yorker Hauses für die Dauer von sieben Monaten nach Berlin auszuleihen. Entworfen wurde das Vorhaben vor zwei Jahren bei einem Abendessen zwischen Lowry und Peter Raue, dem Vorsitzenden des Vereins der Freunde der Nationalgalerie. Der Verein tritt als Veranstalter auf und trägt das finanzielle Risiko „ohne einen einzigen Euro Staatszuschuss“, wie Raue betont.

Die Ausstellung wird vom 20. Februar bis zum 19. September 2004 in der Neuen Nationalgalerie zu sehen sein, dem einzigen Museumsgebäude jenes Architekten, den die MoMA-Gründer in den dreißiger Jahren gern für den Bau ihres Hauses gewonnen hätten: Ludwig Mies van der Rohe. „In vielerlei Hinsicht“, so Lowry, „wird die Ausstellung zeigen, wie unsere Sammlung aussähe, wäre es damals gelungen, Mies zu verpflichten.“ Schuster sekundierte, „erstmals“ werde „der Tempel von Mies adäquat gefüllt sein“.

Die Ausstellung“, so erläuterte MoMA-Chefkurator John Elderfield, stelle den Versuch dar, „die Kunstgeschichte in gleicher Weise zu erzählen, wie sie im MoMA erzählt wird: als synoptische Darstellung der Entwicklung der modernen Kunst“. Dabei folgt die Gliederung in acht Kapiteln den wegweisenden Ausstellungen des MoMA, die damit die Kunstgeschichtsschreibung geprägt haben. Und an Künstlern vertreten ist alles, was Rang und Namen hat: von Cézanne über Matisse und Picasso zu Dalí und Magritte, von Malewitsch über Mondrian bis zu Beckmann, Grosz und Dix.

Dann aber nimmt die Ausstellung eine entschieden amerikanische Wendung: Die Nachkriegszeit soll ganz aus New Yorker Sicht vorgeführt werden, mit Pollock, de Kooning, Newman und Rothko, mit Johns, Rauschenberg und Warhol.

Möglich wird die Ausstellung, weil das New Yorker Stammhaus wegen Totalumbaus auf Jahre geschlossen ist. Zunächst wurde in New York an eine Ausstellungstournee gedacht, ehe sich Berlin mit dem Wunsch nach mehrmonatiger Alleinübernahme durchsetzte. Über die Kosten des Vorhabens hüllten sich die Verantwortlichen, so gut es ging, in Schweigen. Zunächst verkündete Raue lediglich, dass Kulturstaatsministerin Christina Weiss für die Ausstellung Staatshaftung gewähre – weshalb die Bundeseinrichtung der Berliner Festspiele nunmehr als Mitveranstalter auftritt; später gab Raue den Kostenumfang auf Nachfrage nonchalant mit „12 bis 13 Millionen Euro“ an, ohne sich über Details auszulassen – vor allem über die Höhe der nach New York zu überweisenden Leihgebühr. Man habe sich in dem Leihvertrag, der noch gestern unterzeichnet werden sollte, diesbezüglich „zu beiderseitigem Stillschweigen verpflichtet“. Von Risiko, von Millionenwagnis keine Rede: Raue erhofft 700000 Besucher und rechnet auf größere Einnahmen aus dem Verkauf von Katalogen, Plakaten und Postkarten. Zudem seien Gespräche mit Sponsoren im Gange.

Die Veranstalter wünschen sich, dass 2004 zu einem Jahr des Nachdenkenes über deutsch-amerikanische Beziehungen werde. Zahlreiche Ergänzungsveranstaltungen, etwa der Schaubühne oder der Berliner Philharmoniker, sind in Planung. Man darf sich auf ein Feuerwerk einrichten – das es auch braucht, um die immensen Kosten des MoMA-Besuchs wieder einzuspielen.

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