Kultur : Museumsinsel: Brüsseler Heilmittel

Bernhard Schulz

Alle erwarten die Renovierung der Museumsinsel. Alle wollen sie. Der Bundeskanzler hat sie zur Chefsache erklärt und dem Zwei-Milliarden-Vorhaben seinen Regierungssegen erteilt, Berlin hat der Versuchung, seiner klammen Finanzen wegen aus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz auszusteigen, widerstanden und steht mannhaft zu seinen Verpflichtungen. Die aber wachsen dem Finanzsenator über den Kopf. Die Lösung heißt: EU. Was fördert Brüssel nicht alles! So läuft denn ein Teil der Museumsinsel-Sanierung unter dem Titel "Tourismus-Förderung". Nur lässt sich das ersehnte Geld nicht sofort erlangen. Erst muss das als tourismusfördernd auserkorene Eingangsbauwerk zur Museumsinsel tatsächlich in die Höhe wachsen, ehe das Brüsseler Heilmittel wirken kann. So lange muss die Preußenstiftung warten - auch wenn alle Welt geglaubt (und der Senat bislang nicht widersprochen) hat, die EU-Gelder stünden hic et nunc zur Begleichung aufgelaufener Rechnungen zur Verfügung. Ach, es ist ein Vergnügen, den Haushaltstechnikern bei der Bewältigung dieser petitesse zuzuschauen. Wenn nur der schale Beigeschmack nicht wäre.

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