Museumsinsel : Tiefensee: Stadtschloss bleibt barock

Beim Neubau der Schlossreplike auf der Berliner Museumsinsel kommt keine moderne Gestaltung der Fassade in Frage.

Schloss
Am Bauplatz des Humboldt-Forums werden gerade die Überreste des Palasts der Republik beseitigt. -Foto: ddp

Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee hat klargestellt, dass das geplante Stadtschloss in Berlin als Humboldt-Forum mit drei Barockfassaden wieder aufgebaut wird. „Der Bundestag hat auf Empfehlung der Expertenkommission die Rekonstruktion dreier Fassaden des 1950 gesprengten Stadtschlosses beschlossen. Diesen Beschluss setzen wir um“, betonte Tiefensee am Montag. Jury-Mitglieder wie Wettbewerbsteilnehmer hätten sich „der Auslobung verpflichtet“, die vor einem Jahr erfolgte, damit der Bundestagsbeschluss vom Juli 2001 realisiert werden kann. Die Jury werde wie geplant am 27. und 28. November die Entwürfe begutachten und das Ergebnis am 28. November verkünden. 30 Architektur-Büros waren in die Endauswahl gelangt, von ursprünglich 154 Bewerbern.

Tiefensee nahm damit zum wieder aufgeflammten Streit um das Schloss Stellung. So äußerten sich nun gleich drei der acht Fachjuroren kritisch zur Barock-Rekonstruktion. Im aktuellen „Spiegel“ bezeichnet sich der Jury-Vorsitzende Vittorio Lampugnani als „Gegner der Haltung, die mit aller Unbedingtheit ausschließlich eine Rekonstruktion erlaubt“. Bei aller Kritik an moderner Architektur wolle er „nicht ausschließen, dass ein heutiger Kollege besser sein könnte als Andreas Schlüter um 1700“. Der italienische Architekt bedauert es, dass freiere Interpretationen als Alternativen zu Barockfassaden zum Wettbewerb nicht zugelassen seien. Der Juror Hans-Günter Merz befand ebenfalls, die Vorgaben seien „zu eng gefasst“. Der Bundestag habe damals „zu schnell und vor allem zu emotional entschieden“.

Auch die Jurorin Gesine Weinmiller wird von dem Hamburger Nachrichtenmagazin als Kritikerin einer originalgetreuen Rekonstruktion zitiert: „Wer als Architekt nicht für einen kompletten, modernen Neubau an dieser Stelle ist, verrät seinen Beruf.“ Am Montag dementierte die Architektin diese Äußerung jedoch. „Dies habe ich nicht gesagt“, betonte sie im Deutschlandfunk. „Ich gehe in die Jury, weil ich mit sicherstellen möchte, dass da was Vernünftiges entsteht. Aber die Grundlagen sind gelegt und die habe ich nicht zu hinterfragen.“ Es gebe auch keine „konstruktive Unruhe“ unter Architekten bezüglich des Wettbewerbs um Deutschlands größtes und ehrgeizigstes Bauprojekt. Dagegen beharrte „Der Spiegel“ auf seiner Darstellung: Das Zitat sei von Weinmiller schriftlich autorisiert worden.

Unterdessen hat mit einer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt am Montag das Vergabeverfahren für die Humboldt-Box begonnen. In dem temporären Gebäude, das von 2010 bis 2013 auf dem Schlossplatz stehen soll, sind neben einer Info-Schau zum Schlossbau auch ein Museumsshop, ein Café und eine Aussichtsterrasse vorgesehen. Tsp/dpa/ddp

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