Museumsinsel : Versöhnlich

Akademie der Künste: Chipperfield stellt sich seinen Kritikern.

Bernhard Schulz

Kommt nun die große Versöhnung? Birgit Lucas, Vorsitzende der Gesellschaft Historisches Berlin, hebt anerkennend hervor, dass David Chipperfields neuer Entwurf für das geplante Eingangsgebäude zur Museumsinsel „so viele traditionelle Elemente“ aufnehme – und hält diesen Sinneswandel dem Wirken ihres Vereins zugute. Da klingt Befriedigung ob des langen Kampfes durch.

Ansonsten geht es bei der Diskussion in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz zwar hoch her, aber nur wenig um das Thema, „Die Sehnsucht nach dem Gestern“. Viel brisanter war doch der am Morgen vorgestellte Chipperfield-Entwurf – über den sich das Publikum die Köpfe heiß redet, ohne ihn zu kennen. Erst auf dessen nachdrückliches Bitten werden Computeranimationen in den viel zu kleinen Plenarsaal der Akademie gebracht, die am Mittwochabend ein volles Haus vermelden kann. Ein wortradikaler Bürger meint, das Eingangsgebäude sei „in seiner Primitivität nicht zu überbieten“. Ein Unesco-Berater nennt leise drohend die unabdingbaren Kriterien für die Erhaltung des Unesco-Welterbe-Status, ohne jedoch zu verraten, ob er das Gütesiegel durch den Neuentwurf gefährdet sehe. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zählt vom Podium herab beschwörend alle Instanzen auf, die zuvor eingehend befragt worden seien, vom Landesdenkmalrat bis zu Icomos, der die Unesco offiziell beratenden Instanz. „Legitimität durch Verfahren“ hätte der Soziologe Niklas Luhmann derlei Formalismus bezeichnet.

David Chipperfield steht mit britischer Gelassenheit zu seinem Entwurf und beschreibt eindrucksvoll den eigenen Lernprozess in der Auseinandersetzung mit der historischen Substanz. Die Moderne sei mittlerweile „verarmt“. Eine Schwierigkeit sei es gewesen, „zwischen der Funktion und dem Zweck“ des Eingangsgebäudes zu differenzieren. Gegenüber der Service-Funktion bezeichnet er als dessen Zweck „die Stärkung des offenen Raums“ der Insel – und die Verflechtung von Solitärbauten und Freiraum.

Das Podium wäre gut beraten gewesen, seinen Diskussionsstoff ganz der aktuellen Lage anzupassen. Stattdessen unterhält Akademiepräsident Klaus Staeck mit Anekdoten aus seiner Künstlerwerdung. Als subtile Interpretin zeigt sich die neue Senatsbaudirektorin, Regula Lüscher, die die „Poesie“ des Entwurfs lobt: „Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich begeistert.“ Und spricht’s doch so leise aus, als sei sie nur eine ferne Beobachterin.

Ihr Vorgänger, Hans Stimmann, ist da aus anderem Holz geschnitzt. Zwar ist er der Veranstaltung ferngeblieben, sagt jedoch tags darauf auf Nachfrage: „Mit dem Aufnehmen der architektonischen Elemente und der Materialien der Museumsinsel“ befinde sich der Entwurf „auf dem richtigen Weg“. „Kritisch“ seien „die Höhe und Massivität des Gebäudesockels“. Das war dem Publikum am Vorabend auch schon aufgestoßen. Bis zur Versöhnung sind es wohl doch noch ein paar Schritte. 

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